Der Bräutigam kommt
 
Die Endzeitgleichnisse Jesu
 

Das Gleichnis vom treuen und vom untreuen Knecht

Textwort: Matth. 24,45-51
Wer ist nun der treue und kluge Knecht, den der Herr eingesetzt hat, damit er dem Gesinde zur rechten Zeit gibt, was sie zu essen brauchen? Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt! Amen, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen.
Wenn aber der Knecht schlecht ist und denkt: Mein Herr kommt noch lange nicht und anfängt seine Mitknechte zu schlagen, wenn er mit Trinkern Gelage feiert, dann wird der Herr an einem Tag kommen, an dem der Knecht es nicht erwartet und zu einer Stunde, die er nicht kennt, und der Herr wird ihn entzweien und ihm seinen Platz unter den Heuchlern zuweisen. Dort wird er weinen und mit den Zähnen knirschen.
Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

In diesem ersten Gleichnis werden uns die Christen aller Kirchen und Gemeinden in ihrer Gesamtheit vor Augen gestellt. Die Gemeinden und Nachfolger Christi stehen in diesem Gleichnis als Ganzes in einem Knechtschaftsverhältnis zu Jesus, da sie von Ihm einen klaren Auftrag bis zu Dessen Wiederkunft bekommen haben, den es zu erfüllen gilt. Sie sollen dem Gesinde – den ungläubigen Weltmenschen – das Lebensbrot des Evangeliums von der Erlösung und der Erkenntnis des Reiches Gottes reichen; sie sollen die Menschen geistig ernähren. Dabei sollen sie das Brot des Herrn so reichen, wie Er es ihnen zu essen gibt.
Darum sollten auch wir uns davor hüten ein anderes, leicht zu verdauendes Gericht zu reichen, welches den Weltmenschen besser munden würde. Das Brot/Wort des Herrn ist mitunter hart und muss gut durchgekaut werden um seine Nährstoffe frei zu setzen. Die sündige Natur des Menschen verlangt aber meist nach den leichten, weichen und süßen Gerichten der Weltlichkeit; die Menschen essen um des Genusses und nicht um des Nährinhaltes willen. Auch im Glaubensleben ist oft die Fast-Food-Mentalität unserer Zeit wieder zu erkennen. Selig, die dem Herrn treu sind und ihre Fahnen nicht nach dem Wind des Zeitgeistes hängen, sondern die sich bewahren im heiligen Lebensernst. Diese werden dereinst in die Herrlichkeit des Sohnes eingehen und mit Jesus Seine Schöpfungen leiten und verwalten. Jene Christen aber, welche sich von der Welt und ihren „ganz normalen Lebens- und Genussformen“ betören und einfangen lassen, werden in Kürze überrascht werden von den Ereignissen, die unvorbereitet über sie hereinbrechen werden. Der Herr wird alle Heuchelei an ihnen offenbaren und ihnen ihr Zwitterwesen offenbaren – sie werden entzweit vor dem Herrn stehen. Das Gericht wird über sie ergehen, und sie werden unweigerlich dorthin gezogen, wo sich ihre Liebe wirklich befindet. Wer der Welt dient, wird auch der Welt Lohn empfangen! Für diese wird der Herr kommen wie ein Dieb in der Nacht, zu einer Stunde, wo sie es nicht glauben und sich sicher in der Welt und in ihrer Scheinreligion (welcher Art auch immer) wähnen.

 

Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen

Textwort: Matth. 25,1-13
Dann wird es mit dem Himmelreich sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. Fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber zu wenig Öl. Die klugen nahmen außer den Lampen aber noch ausreichend Öl in Krügen mit.
Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein. In der Mitte der Nacht hörte man aber plötzlich laute Rufe: Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen! Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht.
Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsere Lampen gehen aus. Die klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es weder für uns noch für euch; geht doch zu den Händlern und kauft, was ihr braucht. Während sie noch unterwegs waren, um das Öl zu kaufen, kam der Bräutigam. Die Jungfrauen die bereit waren, gingen mit Ihm in den Hochzeitssaal und die Tür wurde zugeschlossen.
Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf! Er aber antwortete ihnen: Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Ich kenne euch nicht.
Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.

Dieses Gleichnis bezieht sich ab dem zweiten Teil schon auf die unmittelbare Wiederkunft Christi zum Ende des Weltgerichtes, von welchem in Matth. 24 die Rede ist. Im ersten Teil findet sich die Darstellung der geistigen Ermüdung der Gemeinden aufgrund der langen Wartezeit bis zur Aufrichtung des Reiches Gottes auf unserer Erde. Obwohl heute viel „Aktion“ geboten wird in den verschiedenen Kirchen und Gemeinden, von Rockmusik bis Theater, von dem Versuch einer christlichen Ökumene bis zu interreligiösen Veranstaltungen, von Zeltmission bis zu Mammutveranstaltungen via Satellit in viele Länder, spricht der Herr hier davon, dass alle schläfrig und müde wurden in Bezug auf Seine Wiederkunft!
Wir leben in der Endzeit, in den letzten Jahren eines maroden und nicht mehr lebensfähigen Konstruktes menschlicher Überheblichkeit und wissenschaftlichen Hochmutes – und das alles jenseits der göttlichen Schöpfungsordnung. Womit füllen wir aber in der Regel unsere Predigten und Wochenendseminare? Womit unsere Jugend- und Erwachsenenfreizeiten? Was vermitteln wir als zentrale Botschaft in unseren Bibelstudienkreisen? Bereiten wir uns und unsere Kinder und Glaubensgeschwister wirklich auf die Wiederkunft Christi vor, mit allem. was diese Wiederkunft mit sich bringt? Ich glaube, hier schlafen, verschlafen wir bis heute den eigentlichen Auftrag in unserer Zeit. Selbst die klugen Jungfrauen unter uns, die genug Öl – sprich lebendigen Glauben und Liebe – in ihren Herzen haben, scheuen dieses Thema! Ich möchte besonders auf die unterstrichene Aussage aufmerksam machen, nämlich dass, wenn die Glaubensfinsternis am größten ist, man ganz unverhofft die Weckstimmen von Menschen hört, welche die Ankunft des Bräutigams (die Wiederkunft Christi) verkünden. Es werden wenige laute Rufer sein, welche die Gemeinde zu wecken haben! Diese wird sich wahrscheinlich – anfangs noch ein wenig verschlafen – über den plötzlichen Tumult in ihren Hallen beschweren.
Die gängige Deutung, die zehn Jungfrauen als die Christengemeinden der Endzeit zu bezeichnen, ist zwar in gewisser Hinsicht zutreffend, es birgt sich hinter diesem groben Verständnisraster jedoch noch eine tiefere Erkenntnis. Wenn man die Schriften genauer studiert, so erkennt man mit der Zeit, dass sich der Leib Christi oder Seine Kirche in drei Kategorien aufteilen lässt.

  • Die Knechte
    Dies sind die Aktivisten und Macher in den Gemeinden, die fast ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn sie nicht permanent Gas geben und neue Aktionen ausrufen. Hier werden die anvertrauten Pfunde vermehrt, hier wird Leistung gebracht, wenn auch nicht immer aus dem richtigen Motiv, aber man bewegt was. Man liest ja schließlich in der Bibel, dass der Herr ein strenger Herr ist, der auch erntet, wo Er nicht gesät hat. Also heißt es unter diesem Verständnis „Punkte sammeln“. Es sind jene Christen, die ihre Unterwürfigkeit damit demonstrieren, dass sie mindestens zweimal „Herr“ in einem Satz sagen und auch in ihren Gebeten den Aspekt des Herrn in den Vordergrund stellen. Sie können sich noch nicht von dem Leistungsdenken, der Gottesfurcht und dem Knechtschaftsverhältnis des Alten Bundes trennen und in die Freiheit der Kinder Gottes übergehen. Sie haben noch nicht verstanden, dass man zwar als Knecht unter dem Gesetz den Weg beginnt, dass aber das Ziel der Vater in Christus ist, der allein uns in die Freiheit der Kindschaft Gottes erheben kann.
  • Die Kinder
    Dies sind jene Christen, welche aus ihrer Gottessehnsucht in eine intimere Beziehung zu Gott getreten sind und den Berg der Anfechtungen menschlich-religiöser Vorstellungen und Gebundenheiten überwunden haben. Deren Liebe und Sehnsucht nach Gott sie davor bewahrt hat, nur einen sicheren Glaubenshafen zu suchen und sich in abgesegneter Frömmigkeit zu bewegen. (Dieses Glaubensleben ist auch für viele, anfänglich lebendige Christen, nur noch Gewohnheit und traditionelle Verpflichtung geworden, welche letztlich den geistigen Tod zur Folge hat.) Doch diese Kinder–Seelen können nicht in sicherem Hafen ruhen, sie setzen sich den Stürmen des inneren und äußeren Lebens immer wieder aufs Neue aus, bis sie gefunden haben, was sie suchten: „ Das Vaterherz Gottes “. Dieses sind die wirklichen Gotteskinder, die das Wort Jesu „Von nun an sollt ihr Abba sagen“ verstanden haben. Wir dürfen Abba, lieber Vater, sagen. Abba ist das familiäre und intime Umgangswort für Vater und heißt richtig übersetzt eigentlich Papa. „Von nun an sollt ihr in kindlicher Liebe und Vertrauen Papa zu Gott sagen“. Ich sehe hier schon wieder den Angstfinger so mancher Gemeindeleiter, welche zur Vorsicht mahnen. Sie fürchten um die Glaubenskontrolle und sie fürchten die Verselbständigung der Schafe unter dem Wirken des Heiligen Geistes. Doch erst, wenn dieser Status ganz natürlich in unseren Herzen verankert ist, können wir weiterschreiten auf dem Wege unserer hohen Berufung, denn wir sollen vollkommen sein, wie unser Vater im Himmel vollkommen ist. Nicht der Knecht erbt das Reich, sondern der Sohn.

Röm. 8,15
Denn ihr habt nicht einen Geist empfangen, der euch zu Sklaven/Knechten macht, so dass ihr euch immer noch fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist empfangen, der euch zu Söhnen macht, den Geist, in dem wir rufen: Abba, Vater!

Bei den klugen Jungfrauen handelt es sich um die Auserwählten, um die Söhne und Töchter Gottes und nicht um Knechte. Darüber gibt Jesus Seinen Jüngern klaren Bescheid in Joh. 15 spricht Er zu ihnen:„ Ich sage euch nicht, dass ihr Knechte seid, sondern Ihr seid meine Freunde, meine Brüder.“ Die klugen Jungfrauen sind ferner ein Bild für die aus den Heiden erwählten Erstlinge aller Zeiten. Diese Seelen fordern keinen Lohn für ihre Arbeit im Weinberg Gottes, da sie nicht für Lohn, sondern allein aus und in der Liebe zum Vater arbeiten. Dies macht sie zur Brautschaft fähig und drückt ihnen das Siegel des Eigentums Jesu, vor allen Ansprüchen des Widersachers, auf die Stirn. Sie erfahren mehr und mehr die Verwandlung in das Bild Christi. Sie sind mit Christus die Erben der ganzen Schöpfung Gottes im Himmel und auf Erden. (Siehe Daniel 7,27 und Hebräer 2,5-8)
Das Wirken in diesem Stand geschieht aus der tieferen Weisheit der Liebe. Diese unterscheidet sich von den Erkenntnissen eines forschenden und studierenden Kopfes dadurch, dass sie sich schmiegsam und zart auch in jenen Räumen zu bewegen weiß, in welchen sich der bloße, durch die Vernunft geprägte Verstand nicht mehr zurecht findet. Die Stricke des Verstandes sind nur tauglich, grobe Klumpen der Erkenntnis aneinander zu heften; aber die zarten Fäden der Liebe aus Gott umwinden das innerste Glaubensleben eines Menschen und offenbaren ihm die Tiefen des Reiches Gottes und seine Geheimnisse. Von diesem Geist, den wir aus Gott empfangen haben, heißt es in der Schrift, dass er selbst die Tiefen der Gottheit zu erforschen vermag. Warum kann er das? Weil er aus dem gleichen Element und von gleicher Natur wie das Wesen Gottes ist. Denn „Gott ist die Liebe“ !

  • Die Braut
    Hier heißt es dann in Anlehnung an (Matth. 22,14): „ Viele sind berufen und wenige sind auserwählt.“ Zur Braut gelangt man aus dem Kindesstand der uneingeschränkten Liebe zum Vater. Doch während in der Kindschaft der Aspekt der Liebe im Vordergrund steht, tritt an die Brautschaftsanwärter nun auch der Aspekt des Leidens und Sterbens um Christi willen hinzu. Nur wenn man alles Weltliche und Eigenliebige vollkommen abgelegt hat und den Kuss des innersten Seelenschmerzes um Jesu willen empfangen hat, tritt man in den Brautstand. Jesus ist hier ein eifersüchtiger Bräutigam, der keinen Nebenbuhler an Seiner Seite duldet. Hier muss sich die Brautseele mit Allem vollkommen „dem Einen“ hingeben, sonst wird sie nicht für Wert befunden, in das innerste Gemach geführt zu werden. Alleine wenn man dem Heiland auch auf dem schmalen und dornigen Weg bis nach Getsemane, dem Ort der Aufgabe jeglichen Eigenwillens und weiter bis zum eigenen, inneren Golgatha, dem vollkommenen Sterben der alten Adams-Eva-Natur gefolgt ist, wird man mit dem Brautkleid geschmückt. Dies vermag nur eine Seele, ein Herz, das voll mit dem Öl der glühendsten Liebe zum Bräutigam ist. Eine Liebe, die nicht versiegt, auch wenn alles in der Welt dagegen spricht und handelt und sich in Finsternis wandelt. Auch wenn einem alles genommen wird um Jesu willen und der Glaube und die Liebe zum Verlust weltlichen Wohlstandes und weltlicher Anerkennung führt, ja, selbst im Angesicht des drohenden Todes verleugnet die Braut ihre Liebe und ihren Liebsten nicht. Und wenn der lang ersehnte Bräutigam auf sich warten lässt und die Macht des Antichristen alle Lebensbereiche beherrscht, die Braut richtet ihre Konzentration und ihr Herz allein auf Christus, alles weltliche ist ihr Staub und Dreck. Dies sind die Auserwählten des Lammes, welche in den innersten Kreis der Glückseligkeit – ins Brautgemach – gelangen. Hier werden die fünf klugen Jungfrauen in den Hochzeitssaal geführt und nun selbst zur Braut. Sie werden neu eingekleidet und auch leiblich umgestaltet.

Die wenigsten haben sich bei dem Gleichnis von den zehn Jungfrauen überhaupt gefragt, wo hier eigentlich die Braut geblieben ist. Denn nach altjüdischer Tradition sind die Jungfrauen zu dem Zwecke gekommen, um den Bräutigam zur Braut zu führen. Die Braut erscheint jedoch gar nicht in dem Gleichnis. Wie gesagt findet hier eine Transformation der auserwählten Jungfrauen im Verborgenen (hinter verschlossenen Türen) statt.

Kommen wir nun zum nächsten Gleichnis oder Bild über die Endzeitereignisse in Bezug auf die Kirche Christi.

 

Das Gleichnis von den anvertrauten Pfunden

Textwort: Matth. 25,14-30
Denn es ist wie bei einem Menschen, der außer Landes reiste, seine eigenen Knechte rief und ihnen seine Habe übergab. Und einem gab er fünf Talente (griechische, höchste Werteinheit. 1 Talent entsprach 6000 Drachmen/Silbergroschen), einem anderen zwei, einem anderen eins, einem jeden nach seiner eigenen Fähigkeit. Dann reiste er außer Landes .
Sogleich aber ging der, welcher die fünf Talente empfangen hatte, hin und handelte mit ihnen und gewann andere fünf Talente hinzu. So auch, der die zwei Talente empfangen hatte, auch er gewann zwei andere hinzu. Der aber das eine empfangen hatte, ging hin, grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn.
Nach langer Zeit aber kommt der Herr jener Knechte und rechnet mit ihnen ab. Und es trat herbei, der die fünf Talente empfangen hatte, und brachte andere fünf Talente und sagte: Herr, fünf Talente hast du mir übergeben, siehe, andere fünf Talente habe ich dazu gewonnen. Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; geh hinein in die Freude deines Herrn.
Es trat aber auch herbei, der die zwei Talente empfangen hatte, und sprach: Herr, zwei Talente hast du mir übergeben; siehe, andere zwei Talente habe ich dazu gewonnen. Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du guter und treuer Knecht! Über weniges warst du treu, über vieles werde ich dich setzen; geh hinein in die Freude deines Herrn.
Es trat aber auch herbei, der das eine Talent empfangen hatte, und sprach: Herr, ich kannte dich, dass du ein harter Mann bist: du erntest, wo du nicht gesät, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; und ich fürchtete mich und ging hin und verbarg dein Talent in der Erde; siehe, da hast du das Deine. Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Böser und fauler Knecht! Du wusstest, dass ich ernte, wo ich nicht gesät, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe. Du hättest mein Geld den Wechslern geben sollen, so hätte ich das Meine wenigstens mit Zinsen zurück erhalten.
Nehmt ihm nun das Talent weg, und gebt es dem, der die zehn Talente hat! Denn jedem, der hat, wird gegeben und überreichlich gewährt werden; von dem aber, der nicht hat, von dem wird selbst was er hat, weggenommen werden. Und den unnützen Knecht werft hinaus in die äußere Finsternis: da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

Was will uns dieses Gleichnis nun sagen, geht es letztlich doch nur um Leistung und Reinklotzen, auch bei Gott? Werden auch im Himmelreich nur die Karrieretypen und Macher glänzen, während die Ängstlichen und Zaghaften noch eins aufs Dach kriegen und ins finstere Loch müssen, obwohl sie nichts verloren haben vom Vermögen? Wo ist hier der Vater, der Gott der Liebe, aus dem alle Schöpfungen ihren Anfang nahmen und Dem man doch genug Weisheit zumuten möchte, alles, was Er angefangen hat, auch zu einem guten Ende zu bringen? Oder wird es irgendwo in der Schöpfung Gottes einen ewigen, schwer bewachten Schrottplatz geben, auf dem die Fehlversuche Gottes in Form von ewig verdammten Seelen ihr letztes Zuhause finden? Fernab von den grünen Gestaden der Glückseligen, welche sich innerlich der bedrückenden Situation zwischen seligem Engelsgesang und den Schmerzensschreien und dem Heulen der Verdammten ausgesetzt sehen? Wer kann hier wirklich glücklich sein und ein unbeschwertes Leben in den Himmeln Gottes führen, wenn vielleicht der Lebensgefährte, oder die eigenen Kinder, Eltern und Freunde einer ewigen Qual ausgesetzt sind??? Darf man diese Frage überhaupt stellen, ohne gleich einen erhobenen Zeigefinger mit der Standardsprechblase über die Souveränität Gottes über sich ergehen lassen zu müssen? Dieser oder ähnlichen Fragestellungen weichen wir gerne aus, weil sie uns leicht verunsichern und mitunter unseren Glauben ins Wanken bringen. Ich kann aber jedem nur raten, sich auch mit solchen Fragen zu beschäftigen, denn sie werden uns in Zukunft unweigerlich gestellt werden, und das Letzte, was die Suchenden brauchen sind lapidare Vertröstungen, Ausreden, Halbwahrheiten oder einen missglückten Erklärungsversuch, geboren aus der eigenen, geistigen Not des Augenblicks. Hier helfen nur tiefere Einblicke in den Erlösungsplan Gottes und Seine Schöpfungshaushalte, um zu einer befreienden Erkenntnis, auch in schmerzlichen und unbequemen Fragen zu gelangen. Da dieses Thema jedoch nicht in Kürze beantwortet werden kann, ohne zu Missverständnissen oder neuen Fragen zu führen, werde ich mich auch davor hüten, dieses hier zu tun.
Schauen wir uns das Gleichnis von den anvertrauten Talenten näher an, so erkennen wir, dass es hier um Vermehrung, um Wachstum, letztlich um das eigene, geistiges Wachstum geht. Hierbei segnet Jesus einen jeden mit einem geistigen Vermögen, welches genau zur Seelenstruktur des Empfängers passt („einem jeden nach seiner eigenen Fähigkeit“) . Das heißt, es wird hier niemand überfordert mit dem, was ihm von Gott anvertraut wird. Wenn wir uns nur ein wenig bemühen, entsprechend unseren Fähigkeiten zu wirken und zu leben, so werden wir in ein geistiges Wachstum übergehen und Frucht bringen. Denn wir sollen uns ja in erster Linie geistige Schätze im Himmelreich ansammeln und nicht nach materiellem Wohlstand trachten. Wenn wir aber das geistige Gut, das uns von Gott gegeben wurde, nur in der Erde verbergen (unsere Lebensenergie nur auf das Weltliche richten), gehören wir wieder zu den törichten Jungfrauen und werden letztlich verlassen mit leeren Händen dastehen, wenn über diese Welt das Gericht ergehen wird. Denn jedem, der dann nicht seinen geistigen Reichtum vermehrt hat, wird auch das, was er an Materiellem zu haben glaubt, noch genommen werden. Wer seine Talente und sein Licht nur im egoistischen Sinne gebrauchen wird, wird letztlich das ernten, was er gesät hat, die Gottesferne. Auch dieses Endzeitgleichnis ist ein Bild für den Zustand der Kirche Christi bei Seiner Wiederkunft und kann auch nur vor diesem Hintergrund richtig eingeordnet werden. Neben diesem persönlichen Bezug hat es aber auch noch einen allgemeinen Aufforderungscharakter an die Kirche Christi. Der Herr hat Seine Kirche

  • nicht verwaist zurückgelassen, sondern sie unter die Leitung des Heiligen Geistes gestellt;
  • Er hat seine Nachfolger mit Geistesgaben versehen;
  • und Er hat ihnen einen Missionsauftrag gegeben.

Auch unter diesen Aspekten hat das Gleichnis seine Bedeutung und steht in Verbindung mit dem Gleichnis vom Weinstock (Christus) und seinen Reben (Kirche) Joh. 15,1-8. Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit, IN CHRISTUS zu bleiben, um die Frucht des geistigen Lebens und Wachstums hervor zu bringen.

Liebe Geschwister, bald kommt der Herr! Für uns geht es heute zentral nicht mehr um den unbeschwerten Genuss des geistigen Lebens in Lobpreis und Selbstumkreisung der Gemeinden Gottes. Die schönen Tage vor Palmsonntag sind für die Auserwählten vorbei. Die Gemeinde Gottes geht dem Karfreitag entgegen. So geht es auch in unserer Nachfolge auf das Leiden- und Sterben Jesu zu, damit auch wir mit Ihm auferstehen können in der neuen Schöpfung der Erlösten.
Heute glaubt der Großteil der Christen scheinbar, für den Empfang des Bräutigams schon vorbereitet zu sein. Doch der Herr will seinen Kindern Licht schenken, damit sie keinem Welt- und Eigenbetrug in die Hände fallen, sondern als kluge Jungfrauen dem Bräutigam zueilen können.
Wenn wir heute dem Herrn als seine Brautseelen nachfolgen wollen, so kann dies nur auf Seinen Leidenswegen geschehen, denn das ist die Botschaft der Apostel. Die Lehre vom Kreuz und Sterben in Christus, über welche Paulus in Phil. 3,10-11 spricht: Um Ihn und die Kraft Seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden zu erkennen, indem ich seinem Tod gleichgestaltet werde, damit Ich gelange zur Auferstehung aus denToten.

Der Herr selbst, sowie auch die Apostel, haben uns vor Irrlehren gewarnt, welche die Wahrheit Gottes verdrehen und den Eitelkeiten menschlich–philosophischer Gedankenkonstrukten ihre Zunge zur Verfügung stellen. So lasset uns allein zu den Offenbarungen Gottes und zu den Mahnungen des Herrn Zuflucht nehmen, in denen er uns über die letzte Zeit und über Sein Kommen in Herrlichkeit Aufschluss gibt. Jesus spricht zu uns in Matth. 7,13-14: Gehet ein durch die enge Pforte. Denn die Pforte ist weit und der Weg ist breit, der zur Verdammnis abführet; und ihrer sind viele, die darauf wandeln. Und die Pforte und der Weg der zum Leben aufführt ist eng und schmal, und wenige sind ihrer die ihn finden.“

 

Wer sind die törichten Jungfrauen?

Es gibt sehr viele Christen, die an Jesus glauben, von Ihm Seine guten Gaben beziehen, Ihn in ihrer Not anrufen und von Ihm Hilfe empfangen. Aber dabei bleiben sie stehen. Sie benutzen Jesus und Seine Erlösungstat als eine Art himmlischer Supermarkt für alle guten Gaben und Wünsche – oft auch materieller Art – um schon auf Erden im Paradies zu leben. Sie gehen nicht auf Seinen Willen und Sein vorbildliches Leben und Sterben in ihrem eigenen Leben ein. Sie liebäugeln noch mit der Welt und ihren Freuden und wollen ihre alte Adams-/Evanatur nicht kreuzigen. Sie haben zu Jesus kein wirkliches Vertrauensverhältnis, dass Er ihnen vollkommene Hilfe und Erlösung sein könnte von ihrem weltlichen „Ach und Weh“ und von ihrem an die Sünde gebundenen Leben. Deshalb zählt der Herr diese Gotteskinder zu den törichten Jungfrauen.
Wieder andere Gotteskinder stellen sich vollkommen auf das Verdienst des Herrn ein, als Er am Kreuze ausrief: Es ist vollbracht! Damit glauben sie, ohne weiteres Anteil an der Entrückung zu haben. Sie sagen: Christus hat die ganze Erlösung für uns vollbracht. Wir haben nichts mehr zu tun. Wir dürfen allein durch den Glauben dieses herrliche Erbe ohne weiteres antreten. Auch diese sind törichte Jungfrauen. Denn wir lesen im Philipperbrief 3,10-14:

Christus will ich erkennen und die Macht seiner Auferstehung und die Gemeinschaft mit seinen Leiden; sein Tod soll mich prägen.
So hoffe ich, auch zur Auferstehung aus den Toten zu gelangen. Nicht dass ich es schon erreicht hätte oder dass ich schon vollendet wäre. Aber ich strebe danach, es zu ergreifen, weil auch ich von Christus Jesus ergriffen worden bin.
Brüder, ich bilde mir nicht ein, dass ich es schon ergriffen hätte. Eines aber tue ich: Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist.
Das Ziel vor Augen, jage ich nach dem Siegespreis: der himmlischen Berufung, die Gott uns IN CHRISTUS JESUS schenkt.

Hier ist von einem Entwicklungsprozess die Rede, von einem Siegespreis der uns IN JESUS geschenkt wird, wenn wir den Lauf vollenden! Wer sagt, dass man die Erlösung und das Leben IN CHRISTUS ohne Gegenleistung, ohne ein eigenes Bemühen geschenkt bekommt, der täuscht seine Mitmenschen! Denn die Teilhaftigkeit an Seiner Auferstehung und Seinem Leben verlangt einen Preis: und zwar nicht mehr und nicht weniger als die Kreuzigung des alten Menschen. Wir haben so viele laue Nachfolger Jesu, weil man ihnen im Missionseifer nichts von den Konsequenzen für ihr ganzes bisheriges Leben erzählt hat, sondern ihnen nur das große Geschenkpaket der Erlösung und ewige Freude und Glückseligkeit vor Augen gestellt hat. Die Freude und die Freiheit welche die Welt nicht geben kann, erlangen wir IN CHRISTUS nur, wenn wir MIT IHM STERBEN UND AUFERSTEHEN! Es ist ein großes Missverständnis in der Auslegung der Paulusworte, dass wir allein durch den Glauben und ohne Werke vor Gott gerechtfertigt werden, denn der Glaube ohne die Werke ist tot (Jakobusbrief 2,20+2,26), und so auch ein jeder Christ, der sich in dieser Vorstellung gefangen hält. Paulus sprach in Römer 3,19-24 von den Gesetzeswerken der Juden , während er in Galater 5,6 sehr wohl zu verstehen gibt, dass sich der Glaube nicht ohne die Werke der Gottes- und Nächstenliebe zu offenbaren vermag. Das eine sind die Pflichtgesetze, durch die man gerecht sein will, das andere sind die freien Taten der Liebe, die zum ewigen Leben IN CHRISTUS führen!

Man kann diese Paulusstellen nur bedingt aus dem Kontext der damaligen Zeit und Religionsausübungen herauslösen und 1:1 in unsere Zeit und Verhältnisse übertragen. Neben der Thora (den Schriftrollen des heutigen Alten Bundes) hatten die Pharisäer und Schriftgelehrten eine Unmenge an selbst erdachten und aus ihrem Verständnis kreierten zusätzlichen Gesetzen und Geboten erlassen. Nur der Jude, der alle diese oft unsinnigen Gesetze erfüllte, war ein guter Jude und sowohl beim Tempel als auch beim Volk hochgeachtet. Es waren jene Scheinheiligen, die im Tempel Gott dafür dankten, dass sie nicht so waren wie die Sünder. Jesus wurde nicht zuletzt vom Tempel verfolgt, weil Er Sich nicht im geringsten um diese Menschensatzungen kümmerte und auch das Volk über diesen Unsinn aufklärte. Das geistige Wohl der Menschen wurde durch diese Menschengesetze stranguliert, man achtete nur noch auf die peinlich genaue Befolgung dieser vielen hundert Gesetze und Richtlinien in der Meinung, durch ihre strenge Befolgung vor Gott gerecht zu sein. Man versuchte, den Willen Gottes durch äußere Rituale, Zeremonien und eine verkrampfte Buchstabengläubigkeit zu erfüllen. Man ehrte – wie Jesus sagte – Gott nur noch mit den Lippen, ohne dass das Herz dabei teilnahm. Vor diesem Hintergrund sind die Worte des Paulus über die Rechtfertigung durch Glaube und Gesetzeswerke zu lesen und zu verstehen. Auf keinen Fall aber sagt er, dass ein alleiniges Lippen- oder Glaubensbekenntnis zur Rechtfertigung vor Gott ausreicht, auch nicht eine einmalige Willensbezeugung, der keine Taten der Lebenserneuerung folgen!

Wieder andere Christen wird gelehrt: Wenn ihr den Zehnten eures Einkommens für das Reich Gottes gebt und auch sonst unter dem Dach der Gemeinde oder Kirche euren Glauben lebt, so seid ihr bereit für das Kommen des Herrn; dieser Gehorsam macht euch zu Auserwählten. Auch diese Glaubenseinstellung ist mehr als töricht, weil man sich hier auf dem gleichen Irrweg befindet wie schon das Judentum zu Jesu Zeiten. Man versucht, sich durch gute Werke, Opfergaben und Glaubensgehorsam gegenüber der Gemeinde/dem Tempel in das Reich Gottes einzukaufen. Besonders diese Praxis wurde vom Tempel dem Volk angeraten, da die Priester als die Stellvertreter Gottes hierdurch ihre Macht sicherten und auch die Opfer allzeit bereitwillig annahmen. Auch diesen Christen sei gleich den Juden zu Jesu Zeiten gesagt: „Sagt nicht, wir haben Abraham zum Vater (Jesus zu unserem Herrn), denn Gott kann sich aus den toten Steinen Kinder erwecken, wenn es sein muss.“ (Matth. 3,9)

Noch eine andere Gruppe Christen muss ich erwähnen: Es sind dies Seelen, die wohl alles Gute vom Herrn erwünschen und annehmen, hingegen alles Unangenehme, das ihnen begegnet, ablehnen. So werden sie schnell ungehalten und distanzieren sich von jenen Menschen, die ihnen nicht nach ihrem Sinn sind und noch weltlich denken und handeln. Solche Christen lehnen aber damit Jesus und das Evangelium ab, denn Jesus kam für die Kranken und Schwachen in die Welt und nicht, um die Gerechten zu hofieren. Gott sucht das Verlorene in der Welt und so sollten es auch die Nachfolger Jesu tun. Solche Christen lehnen mit ihrer Haltung das Kreuz ab, das der Herr Selbst auf Erden trug und zur Bedingung für die geistige Auferstehung gemacht hat. Nicht das angenehme Wohlleben und geistigen Genuss hat der Heiland gesucht und Seinen Nachfolgern vorgelebt, sondern ein Leben, das zur Reinigung und zur Zerbrechung der alten, genusssüchtigen Adam-Evanatur dienen soll. Denn nur so können wir zu einer neuen Kreatur in Jesus umgewandelt werden. Diese Christen bleiben Feinde des Kreuzes, weil sie sich nicht demütigen und erniedrigen können, wie es der Herr tat, der doch Seine große Herrlichkeit im Himmel verließ, um uns Menschen gleich zu sein. Auch solche Nachfolger gehören zu den törichten Jungfrauen.
Der Großteil der Christen steht in unserer genusssüchtigen und verweltlichten Kirche in der Gruppe der törichten Jungfrauen vor Gott, da sie die wahre Nachfolge auf dem schmalen und dornigen Wege Gottes ablehnen. Doch der Weg eines jeden Nachfolgers Jesu führt unweigerlich über Getsemane nach Golgatha. Allein dieser Weg führt auch zur Auferstehung in Christus. Das Evangelium offenbart uns seine Tiefen in letzter Konsequenz erst durch das Kreuz, welches auch wir zu tragen haben! Und dieses Kreuz wird erst dann sanft und leicht, wenn wir nicht mehr unseren eigenen Willen leben und unsere eigenen Wege mit Jesus gehen wollen, sondern dem Christus auf Seinen Wegen folgen. Ansonsten wird es auch dem Christen zur unerträglichen Last, dessen er sich mehr und mehr zu entledigen sucht. Wenn Jesus in Joh. 14,6 sagt: „ Ich bin der Weg die Wahrheit und das Leben, keiner kommt zum VATER denn nur durch Mich.“ So bezeichnet „der Weg“ hier eine Strecke, die zu einem Ziel führt. Wer diesen Weg nicht gehen will, wird wohl kaum zum Lebensziel gelangen. Wir sind bei unserer Bekehrung oder Lebensübergabe an den Erlöser Jesus Christus noch nicht am Ziel angelangt, sondern wir haben erst unsere Bereitschaft erklärt, diesen Weg zum Ziel unter Seiner Führung zu gehen.

Viele Christen sagen: Wir sind durch das Blut des Herrn erlöst worden und brauchen nichts weiter mehr hinzu zu fügen durch eigenes Tun oder eigene Werke. Dies ist einer der größten Irrtümer in der Nachfolge Christi und der Grund für das Desaster vieler gläubiger Christen und Gemeinden. Wir sind erlöst, doch man sieht es nicht. Wir sind erlöst und keiner merkt etwas davon. Wir sind erlöst und unterscheiden uns nur wenig oder überhaupt nicht von den Weltmenschen. Wir sind oft kraftlos, hilflos, einsam, traurig, haltlos und unglücklich. Was stimmt hier nicht? Auf einem großen christlichen Kongress in Basel sagte ein Prediger: „Wenn du erlöst bist, dann gib diese Information an dein Gesicht weiter!“ Das Problem ist also allgemein erkannt. Im Umkehrschluss heißt dies jedoch, dass wir vielleicht gar nicht in der Weise erlöst sind, wie wir das gerne hätten und auch anderen verkaufen wollen. Man sagt, das Gesicht ist der Spiegel der Seele und die Augen lügen nicht. Wenn dem so ist, sollten wir einmal den Mut entwickeln, seit Generationen allgemein anerkannte christliche Glaubensdogmen in Frage zu stellen. Bin ich wirklich wiedergeboren und erlöst, vollkommen erlöst und wovon eigentlich, wenn sich keine wirklich dauerhafte Veränderung, keine wirkliche Erlösung von Sünde und Welt an meinem Leben offenbart? Ist das Ganze eine Sache, die sich nur im Kopf, aber nicht im praktischen Leben eines Christen abspielt? Jesus Christus hat uns vor 2000 Jahren objektiv erlöst, dies ist für uns Gläubige ein Faktum; diese Erlösung muss jedoch noch subjektiv in jedem einzelnen Menschen vollzogen werden. Hierbei ist die Vergebung der Sünden nach vollzogener Selbsterkenntnis, Reue und Buße nicht mit der Erlösung zu verwechseln, welche ein dynamischer Prozess ist, der uns bis zum Eintritt in das Reich der Himmel begleitet. Denn die Erlösung besteht nur solange, oder ist nur so lange in uns aktiv, so lange wir uns IN CHRISTUS befinden. Doch sie endet an der Stelle, wo wir wieder unser eigenes Leben zelebrieren und nach unseren Wünschen und Begierden leben. An der Stelle fallen wir wieder aus der Gnade und aus der Erlösung heraus und sind nicht mehr Bürger einer neuen Schöpfung in Christus. Es ist allein unser freier Wille, welcher hier die Richtung bestimmt. Wir kennen alle das Gleichnis in Joh.15 vom Weinstock (Jesus) und seinen Reben (uns Christen); von diesen Reben heißt es, dass, wenn sie keine (geistige) Frucht bringen abgerissen und ins Feuer geworfen werden.

Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt. Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer IN MIR bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.
Wer nicht IN MIR bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen ......

Die oft gehörte Vorstellung: Einmal erlöst, immer erlöst, ohne jegliche weitere Eigenleistung als nur eine Willensbekundung, ist eine der größten Irrtümer in der Nachfolge Jesu. Wir können nur eng an Ihn gebunden die geistigen Früchte des Lebens bringen. Die persönlichen Scheinfreiheiten bringen uns den geistigen Tod! Warum sieht man nun also so wenig Erlösung und Auferstehung, so wenig neue Menschen IN CHRISTUS? Weil wir ständig unsere alte Natur füttern und in der Meinung hätscheln, uns kann nichts mehr passieren! Wir interpretieren unseren Glauben hier zu einer Scheinsicherheit, die aus der Bibel nicht abzuleiten ist. Dabei suchen wir nicht die Ehre vor Gott, sondern gieren nach der Anerkennung von den Weltmenschen, sei es im Beruf oder privat. Nur nicht anders sein und auffallen, nur nicht ausgeschlossen werden aus der Clique um Jesu willen und nur nicht anders sprechen als die Schulfreunde oder Arbeitskollegen, man könnte ja zum Außenseiter werden. Nur keine geschäftlichen Einbußen um des Evangeliums willen, das ich doch eigentlich immer und überall leben sollte, um IN CHRISTUS zu bleiben. Genau hier beginnt das Sterben in Christus und indem wir unser Leben nicht lassen wollen, verhindern wir das Wirken Christi an und in uns. Wir versuchen das Beste für uns daraus zu machen, aus diesem Leben in der Welt, und sitzen mal auf dem Honigtopf und mal auf dem Misthaufen, je nach Großwetterlage. Wir haben die Nachfolge Christi den Gegebenheiten und Spielregeln der Welt angepasst und wundern uns, dass man uns nicht bemerkt. Das Salz der Erde hat seine Kraft verloren und ist fade geworden. Nicht das „so gut und fortschrittlich“ zu sein, wie die Welt, sondern „ anders zu sein“ als die Welt, das wäre das eigentliche Zeugnis eines geistigen Lebens. Beim sogenannten „Fort-Schritt“ sollte man sich immer fragen: Von wo schreiten wir als Nachfolger Jesu fort oder weg, und wo führt uns dieser Fortschritt hin? Wenn christliche Gemeinden z. B. versuchen, sich mit den werbepsychologischen Tricks der Welt als „moderne Gemeinde“ darzustellen und mit einem ständigen Lächeln oder Grinsen in der Außendarstellung den Eindruck vermitteln „hier wird alles nur besser, euer Leben wird zu einem unermesslichen, geistigen Genuss“ , dann hat das oft fatale Folgen und wirkt zuweilen sogar peinlich. Mit solchen werbespotträchtigen Vorgehensweisen werden vielleicht die Verkaufszahlen eines Konsumproduktes verbessert, der Leib Christi braucht in unserer Zeit jedoch vor allem geistige Substanz und nicht nur blinde Masse. Wir können hier nicht wirklich mit der Welt konkurrieren. Sie ist uns immer einen Schritt voraus, da die Illusion und Verzauberung ihr Terrain ist. Da wird mit allem, was gerade angesagt ist in der Welt, von Rockmusik bis zur Computeranimation versucht, einen Proselyten zu machen, dem man dann nur eins nicht näher bringen darf in seiner Spaßkirche – das Kreuz und die ganze Wahrheit über die Nachfolge Christi –!

Ich will hier nicht missverstanden werden und alles, was neu oder fremd ist aus einer konservativen Haltung ablehnen und verwerfen. Gerade in der modernen christlichen Musik – und hier besonders durch die Liebesballaden an Jesus – kann der Geist Gottes auf besonders eindringende Weise eine Seele berühren und in der Liebe und Sehnsucht zu Jesus bestärken. Doch das Kriterium sollte hier immer auf seelisch-geistig liegen und nicht auf emotional-rhythmisch. Eine seelisch-geistige Musik geht direkt in das Seelenherz über, ohne die niederen Sphären des Menschen zu aktivieren. Sie ist geistige Stärkung und Nahrung für den Glauben. Eine stark elektronisch geprägte, rockig-rhythmische Musik spricht hingegen archaische, niedere Ebenen im Menschen an, die ihn für eine Zeit „außer sich“ sein lassen und eine emotionale Scheinfreiheit suggerieren. Bei öffentlichen Konzerten und Menschenansammlungen tritt hier das sogenannte Phänomen der Gruppenseele auf. Dieses Phänomen kann auf jedem Rockkonzert oder auch in einem Fußballstadion beobachtet werden, wo sich Menschen über eine gemeinsame Orientierung oder emotionale Hingabe zu einer Einheit verbinden und über „das Mitgehen“ in ekstatische Zustände versetzen. So ist auch nicht alles Heiliger Geist, was sich da musikalisch auf so manchen christlichen Klein- und Großveranstaltungen oder Konzerten offenbart.
Kommen wir nun aber wieder zurück zu unserem Bild mit den zehn Jungfrauen. Die klugen Jungfrauen sind also Seelen, welche im Glaubensgehorsam wandeln. Sie beachten das Wort Gottes im Herzen und daraus in ihrem Leben in der Welt. Hier verstehen sie sich nur als Gäste oder Fremdlinge, fern der himmlischen Heimat. Doch sie sind nicht verlassen, denn durch die Liebe wohnt Gott Selbst in ihren Herzen.

Joh. 14,21+23
Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden, und auch ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. ...... Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten; mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen.

Sie geben sich dem Herrn zu einem vollkommenen Ganzopfer hin, und darum kann Er sie durch die Reinigung und Zerbrechung zu klugen Jungfrauen zubereiten. Diese Seelen dürfen erfahren, dass sie der Bräutigam durch seine Verwandlungsmacht in der Endzeittrübsal als reine, heilige und auch als gekrönte Brautseelen am Tage Seiner Wiederkunft in Herrlichkeit hinstellt.
Liebe Geschwister, lasst euch doch nicht betrügen von der Sinnestäuschung der Welt und den falschen Lehren, die uns nur den Genuss der Nachfolge Jesu vor Augen stellen, sonst stehen wir am Tage Seiner Wiederkunft als törichte Jungfrauen vor Ihm. Bei den törichten Jungfrauen spielt der Mensch und das weltliche Leben die Hauptrolle. Bei den klugen Jungfrauen steht jedoch Jesus und das eigene Sterben im Vordergrund, da ist der Herr die Hauptperson. Alle Herrschaft liegt für diese Kinder auf den Schultern des Herrn, da ist Jesus der Wirkende und der Mensch nur der Dienende. So steht das Gotteskind – erfüllt mit dem Leben des Christus in seinem Herzen – vor Gott als eine neue Kreatur und sein adamitisch-menschliches Wesen befindet sich im Tode.

Darüber es heißt in 2.Kor.5,17: Darum ist jemand IN CHRISTO, so ist er eine neue Kreatur, das Alte ist vergangen, siehe, es ist alles neu geworden. Auf diesem Weg und Prozess zur endgültigen Verankerung IN CHRISTUS heißt es aber: Altes vergeht und Neues wird, oder: der alte Adamsmensch in uns stirbt und der neue Christusmensch wächst in uns auf. Bei den klugen Jungfrauen kann Christus selbst über ihr Leben verfügen. Er will die Herrschaft über den Menschen ausüben. Er selbst will das Gesetz Gottes im Menschen erfüllen, so dass er wiedergeboren in Gerechtigkeit und Heiligkeit vor Gott leben kann, denn es heißt: Christus ist nicht gekommen, das Gesetz und die Propheten aufzulösen, sondern zu erfüllen. Und dies tut Er bei einem jeden Seiner wahren Nachfolger. Ja, Christus will der Anfänger und Vollender unseres Glaubens sein. So vermag ein Gotteskind allein durch das Wirken und Wachsen des Christus in ihm, selbst zu seiner eigenen göttlichen Größe und Berufung heranzuwachsen. Denn der Vater wird nur solche Gotteskinder als seine Söhne und Töchter einsetzen, die durch ihre Hingabe auch dem Ebenbilde Seines Sohnes –Jesus Christus– gleichgeworden sind.
Im Gleichnis spricht Jesus vom Öl, das den törichten Jungfrauen zur Mitternachtszeit ausging. Dieses Öl ist der Glaubensgehorsam und die Gottesliebe, von der Paulus in 1.Kor.13 schreibt:

Und wenn ich weissagen könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, also dass ich Berge versetzen könnte und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib brennen (in der Askese oder Verleugnung seiner Begierden) und hätte die Liebe nicht, so wäre es mir zu nichts nütze.

Die Liebe, von der Paulus hier spricht, ist das eigentliche Wesen und Leben Gottes in der sichtbaren Schöpfung. So ist die Liebe auch der Ausdruck und Wille Gottes in jedem Menschen, der von Seinem Geist erfüllt ist. Da Gott in Seinem Wesen die Liebe ist, so kann Er uns auch keinen anderen Geist geben, durch welchen Er Sich in Seinem Grundwesen offenbart. Der Heilige Geist, den wir empfangen haben, ist die göttliche Liebe in ihrem Sohn–Aspekt, voller Weisheit, Barmherzigkeit und Wohlwollen. Christus befähigt das Gotteskind zu einem Wandel in Seiner Liebe, nachdem es das Eigenleben in den Tod Jesu versenkt hat. Denn dann kann es der Herr mit seiner Auferstehungskraft erfüllen und mit Seiner heiligen Gegenwart Wohnung im Menschen nehmen.

Von den törichten Jungfrauen aber heißt es: Ihr Licht erlosch. Wohl hatten diese Gotteskinder ein wenig Öl in ihren Lampen, sie empfingen es durch das Wort Gottes, das sie gläubig annahmen. Aber alle diese Seelen gingen nicht tiefer auf das Wort Gottes ein und verwirklichten die Nachfolge nicht in ihrem Alltag. Sie hatten zwar das äußere Gefäß, die Form des Glaubens und befolgten die Rituale und traditionellen Gebräuche ihrer jeweiligen Kirche und Gemeinde, aber sie nahmen Christus nicht tief genug in ihre Herzen und ihr Leben auf, um das Eingehen in das geistige Leben und den Glaubensgehorsam an sich zu erleben. Sie führten nur ein äußerlich frommes Leben, weshalb sie nicht in eine intime Herzensverbindung mit Christus und zur Brautschaft gelangten. Jesus konnte sie nicht mit mehr Öl (Liebe) und Licht (Weisheit) erfüllen, da ihre Herzensgefäße sich nicht vollkommen dem Bräutigam geöffnet haben. Der Herr ist aber ein eifersüchtiger Bräutigam und teilt Sich Seine Braut nicht mit der Welt. So wie man nicht zwei Herren dienen kann, so lässt sich der Heiland auch nicht mit der Welt und einer nur äußeren Form der Religion betrügen. Wenn dann für solche Christen die Nöte und Trübsale anfangen, erlischt ihr Licht. Die wenige Liebe und das wenige Gottvertrauen in ihnen erstirbt, weil sie diese Nöte und Ärgernisse nicht von Gott annehmen und sie nicht mit dem Kreuz überwinden wollen. Ein Gotteskind aber, das Christus zu einer neuen Kreatur umwandelt und von dem Er Besitz nehmen konnte, dessen Licht wird auch in Trübsalen nicht erlöschen, weil es das Öl des Überwinders und Erlösers in sich birgt. Darüber lesen wir in Römer 8, 35-37:

Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? In der Schrift steht: Um deinetwillen sind wir den ganzen Tag dem Tod ausgesetzt; wir werden behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat. (Ps 44,23) Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat.

Zu den törichten Jungfrauen sagt Jesus: Ich kenne euch nicht, als sie verspätet um Einlass bitten! Ist dies nicht ein hartes Wort von dem, der den glimmenden Docht nicht löschen und den geknickten Halm nicht brechen will? Wie kann die menschgewordene Liebe Gottes so sprechen? Hier sind verschiedene Dinge zum Verständnis zu beachten:

  • Es ist das Gleichnis von den Jungfrauen Bestandteil der Endzeitreden Jesu. Es geht also um die Wiederkunft Christi und die Wiederherstellung der göttlichen Ordnung durch das Endgericht. Bei der Hochzeitsfeier der Braut, welche durch die Trübsal der Endzeitverfolgung ihre Treue und Liebe zum Heiland und Erlöser bewiesen hat, handelt es sich um die Entrückung der kleinen, lebendigen Endzeitgemeinde. Alle Heuchler, Weltbuhler und Feiglinge haben hier keinen Zutritt, sondern nur jene, die Leid und Verfolgung um des Namens Christi – ihrer Herzensliebe – auf sich genommen haben. Alle anderen werden vom Herrn nicht erkannt, d.h. anerkannt werden.
  • Die Gnadenzeit dauert nicht ewig, sondern sie wird zu einem von Gott bestimmten Augenblick durch das Gericht abgelöst. Hier wird dann die Spreu vom Weizen getrennt, und die Böcke von den Schafen. Ein jeder wird genau das ernten, was er in seinem Leben gesät hat. Das abschließende Gericht über die Welt wird sich zugleich mit der Entrückung der Braut auf der Erde ereignen.
  • Wir sollten uns auch fragen: Wo haben sich die törichten Jungfrauen ihr fehlendes Öl wohl gekauft? Und warum haben die klugen Jungfrauen so selbstsüchtig gehandelt und nichts von ihrem Öl abgegeben? Die törichten Jungfrauen gingen in der Glaubens- und Lebensnot der Endzeit zum falschen Händler, sie gingen wieder zur Welt, auf welche sie heimlich schon immer ihr Vertrauen setzten. Sie vertrauten nicht auf das Wort des Herrn, dass der himmlische Vater für sie sorgen wird in der Zeit der Not, wenn sie Ihn im Vertrauen bitten würden. So konnten die klugen Jungfrauen auch nichts von ihrem Öl geben, weil dies ihre eigene, vertrauensvolle Liebe zu Jesus war, die man nicht weitergeben kann. Diese muss ein jeder Mensch in einer ständigen Willens- und Lebensentscheidung selbst entwickeln und pflegen.

Jesus spricht also zu den törichten Nachfolgern so, weil sie keinen inneren Herzensumgang geführt und keine Geistesgemeinschaft mit Ihm gepflegt hatten. Der Herr hat diese Seelen nicht kennen gelernt, weil sie mit Ihm nicht in den Tod der eigenen Egonatur gingen, sondern ihre eigenen Wege (auch Glaubenswege) suchten. Deshalb lehnte Er diese Nachfolger als Braut ab. Wie kann es uns wohl gegeben werden, beim Kommen des Bräutigams als kluge Jungfrauen mit einem Vorrat an lebendigem Öl ausgerüstet zu sein? Viele Christen glauben, dass sie durch Segnungen und Gaben diesen Vorrat bei ihrer ersten Glaubenshingabe schon empfangen hätten.

Christus aber spricht in Joh.12,23-24: „Die Zeit ist gekommen, dass des Menschen Sohn verklärt werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, so bleibt es allein; wo es aber erstirbt, da bringt es viele Früchte hervor.

Dies ist im übertragenen Sinne auch für jeden Nachfolger Jesu der Weg zu seinem persönlichen Golgatha. Denn Paulus sagt uns im 1.Kor.15,36 dazu: Was du säst, wird nicht lebendig, es sterbe denn zuvor. Was wir durch unser Glaubensleben säen, wird so lange nicht aufgehen, wie wir nicht bereit sind, unsere alte Natur zu kreuzigen und in Christus zu sterben. Jesus selbst hat uns den Weg dazu beispielhaft vorgelebt und freigemacht. Nur die inneren geistigen Kämpfe und äußeren Leiden um Christi willen machen uns vollkommen, und nur die Trübsale in der Welt bewirken in uns eine Abkehr und die Verwandlung in das Bild des Herrn. Lesen wir darüber in Römer 8,17: Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden . Und 2.Kor.4,17: Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns im Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit.

Durch das Annehmen des Leidens um Christi willen wird es uns gegeben, in diese wunderbare Geistesverbindung der Auferstehung des Christus in uns zu gelangen, wodurch wir auf Seine Wiederkunft vorbereitet werden. Keiner gebe sich dem Irrtum hin, er wäre allein schon durch den ersten Schritt der Lebensübergabe neu- oder wiedergeboren. Nein, hier findet erst die Eingeburt oder Zeugung des neuen Lebens im Herzen des Menschen statt. Bis zur Wiedergeburt im Geiste geht es aber noch durch die Zeit der Schwangerschaft in Schmerzen und Wehen bis auf die (Wieder)Geburt hin. Die vollkommene Wiedergeburt, der Tod der alten Adamsnatur und zugleich die vollkommene Auferstehung des Christus in uns ist ein Prozess und nicht die Sache eines Augenblicks. Auch die Schauung des Reiches Gottes geschieht erst, wenn der Geist der göttlichen Liebe unsere Seele ganz und dauerhaft durchdrungen hat. Denn dies ist das Zeichen der Wiedergeburt, da es doch heißt, dass niemand das Reich Gottes sehen kann, wenn er nicht wiedergeboren ist. So glauben sich viele Christen zu unrecht wiedergeboren durch ein Lippen- oder Glaubensbekenntnis, mit dem sie nur einwilligen, Christus auf Seinem Weg zu folgen. Es ist der erste, sehr wichtige Schritt, aber noch nicht das Ziel. Daher noch einmal: Wenn Jesus sagt: „ Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben ,“ so bezeichnet der Weg hier diesen Prozess der Bewegung und des Wachstums, an dessen Ende die Siegeskrone überreicht wird und nicht schon am Anfang. Dieses Missverständnis hat so viele laue Nachfolger des Herrn hervorgebracht, da sie glauben, durch ein Glaubensbekenntnis schon alles zu besitzen, was sie zu Söhnen und Töchtern des Allerhöchsten macht.

Liebe Geschwister im Herrn, machen wir doch dem Bräutigam keine Trübsal mehr durch unseren Falschglauben und durch unsere Leidensfurcht, sondern legen wir uns als ein freiwilliges Opfer auf Seinen Altar und lassen wir den alten Menschen von uns fallen, damit der Herr uns bekleiden kann mit dem geistigen Brautkleid Seiner Vereinigung mit unseren Seelen.

Nur dem Menschen erschließen sich neue und tiefe Forschungsgebiete, der mit seinem ganzen Interesse und vollem Einsatz auf die Erreichung des vorgesteckten Zieles hinarbeitet. So ist es auch mit dem Reiche Gottes und seinen Geheimnissen. Diese wunderbaren Geheimnisse werden nur jenen Menschen erschlossen, die um jeden Preis das hohe, geistige Lebensziel verfolgen. Was ein Mensch in seinem Leben zur Hauptsache macht, wonach er mit allen seinen Kräften trachtet, das wird er auch erreichen. Ob er Ehre, Reichtum, Berufskarriere oder vergängliche Güter sucht, wenn sein Herz nach dieser Vergänglichkeit trachtet, so lässt der Herr auch diese Menschen gewähren und die leidige Erfahrung machen, dass alle Wege, die nicht auf Gott gerichtet sind, in die Irre führen und letztlich Leid verursachen. Der Herr kann und will auch niemanden zu seinem Glück zwingen, da die Kindschaft Gottes nur in absoluter Willensfreiheit vollbracht werden kann. Und unseren Willen können nur wir selbst knechten, das kann selbst Jesus nicht für uns tun.

Ein Gotteskind, das sich trotz seiner Gebundenheiten aller Art nach Jesus sehnt, das sich die Mühe macht, seine Fehler und Schwachheiten nicht nur anzuschauen, sondern auch den aufrichtigen Wunsch hat, Hilfe, Rettung und Erlösung zu erfahren, dessen Herz wird der Herr nach der Bewährung völlig in Besitz nehmen. Dieser Seele wendet der Herr alle Seine Liebe zu. Auf allen Wegen ist Er ihr Schirm und Schild. In allen Nöten und Gefahren ist Er ihre Kraft und Bewahrung. Ein solches Gotteskind wird auf keinem Weg und Steg allein gehen und von daher immer unter dem Schutz seines Vaters stehen. Der Heiland und gute Hirte hilft ihm aus allen Nöten und Gefahren. Diese Seelen überschüttet Jesus mit Seinen geistigen Gütern und Freuden, sie erfahren das Wort unser Wandel ist im Himmel“ schon hier auf Erden. Wir können im Geiste jetzt die Erde mit ihren vielen Verlockungen verlassen und in unsere eigentliche Heimat, in das Reich Gottes, eintreten, das zu allen Zeiten seine Tore weit für uns geöffnet hält! Ein Reich, das wir aber so lange nicht sehen können, wie unsere Liebe und unser Interesse an die Welt gebunden ist. Wenn dann unser Leib auch noch auf dieser Erde lebt, so sind wir nach unserem Herz und unserem Geist schon Bürger des Reiches Gottes. Als Nachfolger Christi sind wir in diesem Sinne Bürger und Bewohner zweier Welten.