Festung Europa 2
Das
zunehmende Problem der Umweltflüchtlinge
FRONTEX Europäische
Agentur für die operative Zusammenarbeit an den
Außengrenzen
Die Europäische
Agentur für die operative Zusammenarbeit an den Außengrenzen der
Mitgliedstaaten
der Europäischen Union wurde errichtet durch die Verordnung (EG) 2007/2004 des Rates vom
26. Oktober 2004 (ABl. L 349 vom
25.11.2004).
Die
Agentur koordiniert die operative
Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten im Bereich des Schutzes der
Außengrenzen,
unterstützt die Mitgliedstaaten bei der Ausbildung von nationalen
Grenzschutzbeamten und legt u. a. gemeinsame Ausbildungsnormen
fest,
erstellt Risikoanalysen, verfolgt die Entwicklungen der für die
Kontrolle und
Überwachung der Außengrenzen relevanten Forschung, unterstützt die
Mitgliedstaaten
in Situationen, die eine verstärkte technische und operative
Unterstützung an
den Außengrenzen erfordern, und leistet die erforderliche Unterstützung
für die
Organisation gemeinsamer Rückführungsaktionen der Mitgliedstaaten. Die
Agentur
kann im Interesse einer umfassenden Kohärenz eng mit anderen
Gemeinschafts- und
EU-Partnereinrichtungen zusammenarbeiten, die zuständig sind für die
Sicherheit
der Außengrenzen, wie EUROPOL, EPA und OLAF, für die Zusammenarbeit der
Zollbehörden
oder für die Zusammenarbeit bei Pflanzenschutz- und Veterinärkontrollen.
Die Agentur
gewährleistet die Koordinierung der einzelstaatlichen Aktionen zur
Durchführung
von Gemeinschaftsmaßnahmen im Bereich des Grenzschutzes an den
Außengrenzen........ (Soweit stellt sich Frontex
selbst im Internet vor.)
Frontex
soll die Festung sichern
Von
Silke Hasselmann, MDR,
ARD-Hauptstadtstudio Berlin Eine
EU-Außengrenze hat Deutschland
seit der EU-Osterweiterung nicht mehr. Aber ein Interesse, dass
illegale
Einwanderer schon an den EU-Grenzen aufgehalten werden. Die
EU-Innenminister
beraten derzeit in Dresden darüber, wie. Helfen soll die
EU-Grenzschutzagentur
Frontex. Silke Hasselmann stellt sie vor.
Seit
der EU-Osterweiterung ist die deutsche
Ostgrenze eines nicht mehr: eine EU-Außengrenze. Die verläuft im Osten
nunmehr
zwischen Polen und der Ukraine sowie Weißrussland. Dennoch ist
Deutschland sehr
daran interessiert, die Außengrenzen der Europäischen Union zu stärken.
Ziel:
Einwanderer schon an den Grenzen
stoppen
Denn
zum einen sind die Zollkontrollen nun wesentlich dorthin verlagert. Zum
anderen will man illegale Einwanderer
möglichst stoppen, bevor sie in die Mitte
der Union streben. Dies gelte, so Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble, vor
allem in Hinblick auf Afrika und den Mittelmeerraum. Aber auch die
illegalen
Migrationsrouten durch Ost- und Südosteuropa müsse man im Blick
behalten. Dafür hat man unter anderem die
"Europäische Grenzschutzagentur" Frontex geschaffen, die
Mitgliedsstaaten vor allem bei der Rückführung von illegalen
Einwanderern
helfen soll.
Frontex-Sitz
in Warschau
2005
bezogen rund 60 Mitarbeiter die
Arbeitsräume dieser Einrichtung mit Sitz in Warschau. Darunter sind
drei Beamte
der Bundespolizei, also des ehemaligen Bundesgrenzschutzes. Einer der
Beamte
verstärkt die Abteilung "Einsatz/Operation", der zweite arbeitet im
Bereich "Risikoanalyse" und der dritte in der "Aus- und Fortbildung"
von Grenzschützern. Frontex-Mitarbeiter
dürfen bislang nur
beraten
Wie
alle Mitarbeiter sind auch die Deutschen
beratend tätig. Das heißt: ein italienischer Frontex-Mitarbeiter, der
beispielsweise an einem Einsatz an der polnisch-ukrainischen Grenze
beteiligt
ist, darf niemanden festnehmen oder verhören, sondern seine polnischen
Kollegen
lediglich beraten. Das soll sich ändern. Ein entsprechender
Vorschlag der EU-Kommission liegt seit einem halben Jahr auf dem Tisch.
Wolfgang Schäuble möchte diese Sache im nächsten halben Jahr unbedingt
zum
Beschluss bringen. Er selbst kann gute Erfahrungen in die
Diskussion einbringen, denn anlässlich der Fußball-WM 2006 hatte
Deutschland
erstmals Gast-Polizisten aus aller Herren Länder exekutive Rechte
eingeräumt.
Kommt
es zum Tabubruch?
Solche
Exekutivrechte nun EU-weit im
Grenzschutzbereich durchzusetzen, wäre nichts weniger als der Bruch
eines
Tabus. Ansonsten will Schäuble das Rad nicht zum zweiten Mal erfinden,
sondern
verbessern, was es schon gibt. Die "Dinge zum Laufen zu bringen",
heißt das bei ihm. Dabei soll auch aus Schlappen gelernt
werden: Vorigen Sommer etwa hatte sich Spanien an die EU gewandt, weil
es mit
Tausenden von Westafrikanern überfordert war, die sich auf die
Kanarischen
Inseln geflüchtet hatten. Viele von ihnen ertranken dabei elendig.
Die
EU versprach, die Grenzschutzbehörde in
Gang zu setzen. Mit Schiff- und Hubschrauberpatrouillen sollte Frontex
die
afrikanischen Bootsflüchtlinge möglichst früh vor der westafrikanischen
Küste
erkennen und schon dort zur Umkehr bewegen. Doch immer wieder
verzögerte sich
der Einsatz, mal ging es um die Finanzierung, mal darum, ob der Senegal
den
europäischen Grenzern erlauben würde, seine Hoheitsgewässer zu
überwachen.
Etat
von Frontex deutlich aufgestockt
Fest
steht: 2007 wird Frontex rund 22
Millionen Euro aus dem EU-Haushalt bekommen. Das ist deutlich mehr als
bislang.
Viel Geld geht in die Risikoanalyse, die die Mitgliedsstaaten
regelmäßig über
aktuelle und künftige Gefahrenherde an den EU-Grenzen ins Bild setzt.
Was den
Bereich "Einsatz/Operationen" angeht, darf man gespannt sein, ob sich
die EU-Innenminister auf die Bildung von Soforteinsatzteams einigen
können. Deutschland
schlägt vor, dass Frontex solche Teams zusammenstellen und an besonders
heikle
Schwerpunkte illegaler Einwanderung schicken darf, um den dortigen
nationalen
Grenzschützern nicht nur mit Rat, sondern auch mit Tat zur Seite zu
stehen.
Frontex mit neuen Zielen
Dokumentation eines Artikels von Christoph Marischka auf
Telepolis vom 28. Feb 2007 und 26. Apr.
2007
Die deutsche EU -
Ratspräsidentschaft will Frontex massiv aufrüsteten, Gastbeamte aus der EU
kontrollieren schon am Frankfurter Flughafen mit exekutiven Befugnissen.
Bevor im Frühjahr
wieder zahlreiche Boote starten, mit denen Flüchtlinge und Einwanderer
versuchen nach Europa zu gelangen, soll die europäische Grenzagentur Frontex
aufgerüstet werden. Derzeit wird auf Betreiben von Bundesinnenminister Wolfgang
Schäuble und des EU-Kommissars für Justiz, Freiheit und Sicherheit Franco
Frattini die "Verordnung über einen Mechanismus zur Bildung von
Soforteinsatzteams für Grenzsicherungszwecke" vorangetrieben. Mit ihr soll
ein Zentralregister für Einsatzmittel und -kräfte zur Abschottung der Grenzen
geschaffen werden. Über sie sollen auch Grenzbeamte gegenseitig ausgetauscht
werden können, die dann im Gastland der EU auch exekutive Befugnisse erhalten
sollen. Am Frankfurter Flughafen läuft schon ein Probelauf. Das sind neue
Schritte hin zu einem gemeinsamen europäischen Grenzschutz, wie ihn Frattini
fordert. Agiert wird, wie gerade im Fall der nach Mauretanien geschleppten
Marine I deutlich wird, meist auf rechtlich schlüpfriger Basis. Unter
menschenunwürdigen Bedingungen versucht die spanische Polizei dort seit Wochen,
die Herkunft von 400 Flüchtlingen zu ermitteln.
Dass die Grenzagentur Frontex
an Bedeutung gewinnt, zeigt sich schon daran, dass sich ihr Budget in den
letzten Jahren vervielfacht hat. Aus dem EU-Haushalt wurde die kleine Agentur
mit Sitz in der polnischen Hauptstadt Warschau im Gründungsjahr 2005 noch mit
6,3 Millionen Euro ausgestattet. Im vergangenen Jahr verdoppelte sich die Summe
schon fast auf 11,7 Millionen Euro und für dieses Jahr wurde das Budget auf
rund 35 Millionen Euro noch einmal verdreifacht. Angesichts der Aufgaben, die
Frontex demnächst ausführen soll, könnte es sogar noch eine weitere Aufstockung
der Finanzmittel geben.
Bekannt gemacht haben
Frontex die Hera-Einsätze. Am 15. Februar wurde auf niedrigem Niveau mit Hera
III begonnen. Hinter dem Namen Hera verbirgt sich der Versuch, die Kanarischen
Inselnbazuschotten Spanien hatte Hera I und II 2006 beantragt. An den
multinationalen Einsätzen vor der westafrikanischen Küste, von Marokko bis
Guinea-Bissau, beteiligten sich diverse EU-Staaten. Schiffe, Hubschrauber und
Flugzeugen wurden eingesetzt, um die Boot wenn möglich schon in Westafrika
abzufangen. Die Einsätze müssen als gescheitert bezeichnet werden, denn niemals
zuvor gelang so vielen Menschen die gefährliche Überfahrt. Mit mehr als 31.000
waren es gleich sechs Mal so viele Menschen als im Vorjahr.
Hera III ist in zwei
operative Einheiten aufgeteilt. Derzeit befragen Spezialisten aus Deutschland,
Italien, Luxemburg und Portugal Flüchtlinge auf den Kanarischen Inseln über die
Routen, die sie mit ihren Booten genommen haben. Im zweiten Teil sollen diese
Routen demnächst mit Flugzeugen, Hubschraubern und Schiffen überwacht werden,
um die Boote möglichst schon vor der westafrikanischen Küste abzufangen.
"Der erste Schritt ist grundsätzlich die Erstellung einer Risikoanalyse
durch Frontex", erklärte deren Exekutivdirektor Ilkka Laitinen kürzlich in
Frankfurt. Auf deren Basis werde mit den betroffenen Mitgliedstaaten ein
Einsatzplan erstellt und an andere Mitgliedstaaten ein Hilfsersuchen gerichtet.
Mit deren Angeboten werde dann der konkrete Einsatzplan für die Maßnahme mit
den Beteiligten EU-Staaten erstellt, sagte der Finne. "Frontex hat eine
Koordinierungsfunktion", deren Stärke sei abhängig von der Bereitschaft
der Mitgliedstaaten an den Einsätzen teilzunehmen, denn Frontex verfügt über
keine eigenen Einsatzmittel. Für Frattini ist Frontex nur die Keimzelle einer
gemeinsamen europäischen Küstenwache "unter einer Flagge", deren
Bildung er erneut gefordert hat.
So legt sich für die
deutsche Ratspräsidentschaft vor allem Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble
für Frontex ins Zeug: "Die Bürger erwarten von Europa einen effektiven
Schutz der gemeinsamen Außengrenzen. Und nur gemeinsam und solidarisch können
wir illegale Migration effektiv bekämpfen." Deutschland gehe bei seinem
Beitrag zum Aufbau eines Zentralregisters mit gutem Beispiel voran. Die Teams
und Sachmittelsollen, so wollen es Schäuble und Frattini, in ein
Zentralregister, eine sich im Aufbau befindliche "Toolbox", einfließen.
In der Datenbank soll auch verfügbares Equipment, wie tragbare Wärmebildgeräte,
aufgelistet werden. Frontex soll so in die Lage versetzt werden, in kürzester
Zeit ein "Soforteinsatzteam" zusammenstellen können, wenn ein
Mitgliedstaat "an seinen Grenzen einer besonderen Belastung durch illegale
Migration ausgesetzt ist". Für die erweiterten Aufgaben, soll der
Personalstamm der Agentur bis zum Jahresende auf bis zu 140 Personen ausgebaut
werden.
Am 26.4.2007 nahm das
Europäische Parlament die Verordnung "über die Bildung von
Soforteinsatzteams für Grenzsicherungszwecke" an. Sie geht im wesentlichen
auf einen Entwurf des Rates der Innen- und Justizminister der EU zurück, wurde
aber vom EP um Floskeln hinsichtlich der Verhältnismäßigkeit der Mittel und des
Schutzes der Menschenrechte sowie Schutzbedürftiger ergänzt. Die Vorlage
wiederum entstand aufgrund einer gemeinsamen Initiative des deutschen
Innenministeriums und des EU-Kommissars für Justiz, Freiheit und Sicherheit,
Franco Frattini. Beide machen sich schon lange für die Bildung einer
gesamteuropäischen Grenzschutztruppe stark und drängen die Mitgliedsstaaten
seit Beginn des Jahres, der Grenzschutzagentur Frontex Ausrüstung und Personal
zur Verfügung zu stellen. Erklärtes Ziel des deutschen Innenministeriums war
es, noch während der deutschen Ratspräsidentschaft die gesetzliche Grundlage
für so genannte Schnelle Einsatzkräfte für den Grenzschutz (Rapid Border
Intervention Teams, RABITs) unter der Kontrolle von Frontex zu schaffen, was
mit der legislativen Entschließung des EP nun geschehen ist.
Damit hat das Parlament
erneut dem Ausbau einer Behörde zugestimmt, die sich ihrer Kontrolle weitgehend
entzieht. Ohne über deren Tätigkeiten informiert zu sein, hatte es im
vergangenen Jahr bereits das auf 35 Mio. Euro erhöht und damit gegenüber 2005
mehr als verfünffacht. Dieses Budget ist jedoch nur für die laufenden Kosten
der Warschauer Agentur vorgesehen, da die in Einsätzen verwandten Beamten und
Gerätschaften zusätzlich von den Mitgliedsstaaten finanziert werden.
Neben dem Einfluss auf
das Budget kann das Parlament lediglich Berichte von FRONTEX einfordern, von
denen jedoch im vornherein feststeht, dass sie oberflächlich bleiben und keinen
Einblick in die operative Tätigkeit der Behörde ermöglichen werden, da dies
nach Angaben ihres Exekutivdirektors Ilkka Laitinen den Erfolg der Missionen
gefährden würde. Dieser umgibt Frontex ohnehin gerne mit der Aura einer
Geheimbehörde, bezeichnet seine Mitarbeiter als Agenten und gibt keine
aussagekräftigen Informationen an die Presse weiter. Der ::
Frontex-Jahresbericht für 2006 umfasst gerade 35 Seiten, wobei die ersten operativen
Einsätze Hera I und Hera II vor den Kanaren gerade auf einer Seite abgehandelt
werden. Immerhin wird berichtet, wie viele Schiffe und Flugzeuge aus welchen
Mitgliedsstaaten beteiligt waren. 5.000 Menschen seien bereits in Afrika von
einer Überfahrt abgehalten worden, 3.887 Migranten in 57 Booten seien nahe der
afrikanischen Küsten gestoppt und umgeleitet worden. Wohin, mit welchen Mitteln
und auf Grundlage welcher internationaler Abkommen dies geschah, wird im
Bericht nicht angegeben.

Nachricht vom
26.06.2007 im Süd-Kurier Nr. 144 Seite 4:
Malta Einsatz
gegen Flüchtlinge
Die
europäische Grenzschutzagentur Frontex hat einen neuen Einsatz im
Mittelmeer begonnen, um die afrikanische Flüchtlingswelle
einzudämmen.
An dem Unternehmen ist auch die Bundespolizei beteiligt. Die
Patrouillen sollen von der EU-Insel Malta aus starten. Problematisch
ist nach Ansicht von Fachleuten, dass Libyen sich weigert, sich an der
Aktion mit dem Namen "Nautilus" zu beteiligen. dpa
|
Sechs
Satelliten sollen Flüchtlinge aufspüren
Ralf Streck 30.05.2006
Spanien
und neun EU-Länder haben überdies
vereinbart, den Seeweg von Afrika zu den
Kanarischen Inseln zu überwachen. Die Universität der
spanischen Kanarischen
Inseln hat mit der Firma Spot Image ein Pilotprojekt zur Überwachung
vorgestellt.
Über MariSS (Maritime Security Services) sollen sechs Satelliten
kombiniert werden,
um die Boote mit Flüchtlingen und Einwanderern aufzuspüren, die sich
aus
Mauretanien und dem Senegal derweil zu Hunderten auf den Weg zu den
spanischen
Inseln machen. Optische Überwachung soll dabei mit Radarüberwachung
kombiniert
werden. Die Aufrüstung wird die Menschen Schlepperbanden in die Hände
treiben.
Auch Deutschland nimmt an der Abschottung der Inseln teil.
Die neuen Grenzen, die um die Wohlstandsinseln - gleich ob Länder,
Regionen, Siedlungen, Stadtviertel oder einzelne Häuser - errichtet
werden, nutzen das verfügbare Hightech-Arsenal, um unerwünschte
Eindringlinge zu erkennen, fernzuhalten und zu bekämpfen. Mit dem Kampf
gegen den Terrorismus gedeihen die Projekte und fließt das Geld, weil
die Sicherheitspolitiker damit gleichzeitig innenpolitisch mit der
Abwehr von illegalen Einwanderern und Menschenschmuggel punkten wollen.
Auch wenn auf dem Land noch Zäune oder Mauern die Grenzen markieren, so
besteht ihr eigentlicher Kern neben Patrouillen auf dem Land, im Wasser
oder in der Luft aus dem stetig wachsenden technischen Arsenal: von
(intelligenten) Überwachungskameras über alle möglichen anderen
Sensoren bis hin zu fernsteuerbaren Drohnen und Robotern oder
unbemannten, computerkontrollierten Wachstationen.

6000
Flüchtlinge starben vor den Kanarischen Inseln
Ralf
Streck 31.12.2006
2006 war ein
trauriges
Jahr für Flüchtlinge und markiert das Versagen von Frontex, die Wege
nach
Europa abzuschotten. Etwa 6.000 Menschen haben auch in diesem
Jahr ihr Leben
beim Versuch verloren, aus Westafrika auf die spanischen kanarischen
Inseln zu
gelangen. Das schätzt die Regionalregierung der Inselgruppe. Weder der
Einsatzes der EU-Grenzschutzbehörde Frontex mit Luft-
und Seeüberwachung, noch Patrouillen vor Mauretanien und Senegal haben
verhindert, dass mehr als 31.000 Flüchtlinge und Einwanderer die
Urlaubsinseln
erreichten. Spanien will nun 180.000 Stellen in den Herkunftsländern
besetzen
lassen.
Am
Donnerstag kamen wieder 149
Menschen in vier Booten auf den Kanarischen Inseln an. Weder hohe
Wellen noch
schlechtes Wetter halten sie ab, sich auf die tage- oder wochenlange
Reise zu
machen. Die Regionalregierung
der Kanaren hat nun Zahlen genannt, die das Ausmaß der Tragödie erahnen
lassen,
die sich hinter dem Phänomen verbirgt. Gegenüber der
Radiokette SER sagte der
Vize-Leiter der Immigrationsabteilung Froilán Rodríguez, im laufenden
Jahr
hätten etwa 6.000 Menschen die Überfahrt nicht überlebt: "Wir sprechen
von
einem dramatischen Aderlass dem sich die nationalen und internationalen
Institutionen annehmen müssen."
Das
ist eine Schätzung. Sie
beruht auf Zahlen vom Roten Halbmond und anderen
Nichtregierungsorganisationen,
die versuchen die Menschen zu zählen, die sich in Mauretanien und dem
Senegal
auf den Weg machen. Andere Schätzungen gehen weit darüber hinaus.
Allerdings
ist unklar, worauf
sie beruhen. Realistisch ist die Zahl allemal, denn schon im letzten
Jahr hatte
sowohl die Guardia Civil und der spanische Geheimdienst das
Verschwinden von
Tausenden auf dem langen und gefährlichen Seeweg bestätigt.
Seither
hat der Zustrom
deutlich zugenommen, die Wege wurden länger und gefährlicher. Dass
dieses Jahr
etwa 800 Leichen geborgen wurden, zeigt das Massensterben deutlich an.
Hält man
sich vor Augen, um welche Strecken es sich dreht, dürfte klar sein,
dass der
überwiegende Teil der Leichen nicht gefunden wird. Denn die verstärkte
Abschottung führte zu extrem langen Wegen. Waren es früher
überschaubare 50
Kilometer über die Meerenge von Gibraltar, wurden inzwischen sogar
Boote
registriert, die in Guinea-Bissau starten. Sie müssen also mehr als
3.000
Kilometer zurücklegen. Das ist ein Ergebnis davon, dass nach Marokko
und
Mauretanien später auch Senegal teilweise in die EU-Politik eingebunden
werden
konnte. Die Vermutung, dass die Boote von großen Schiffen zunächst nahe
an die
Kanarischen Inseln herangebracht werden, konnte nicht bestätigt werden,
räumte
die spanische Regierung derweil ein.
Weder
gemeinsame Patrouillen
der Guardia Civil mit den Grenzschützern der Herkunftsländer noch der
Frontex-Einsatz mit seiner Luft- und Seeüberwachung vor Westafrika sind
in der
Lage, die Boote frühzeitig abzufangen. Deshalb haben in diesem Jahr
mehr als 31.000 Menschen die Fahrt
auf die Kanaren überlebt. Das sind mehr als sechs Mal so viele Menschen
als die
4.715, die im Vorjahr die Überfahrt geschafft haben. Bisher lag die
Rekordmarke
bei knapp 10.000 Menschen im Jahr 2002.
Aber
auch andere Routen werden
wieder stärker genutzt. Immer öfter werden kleine Boote wieder an der
spanischen Südküste angetroffen, die von Marokko aus gestartet sind,
obwohl
diese Küsten elektronisch werden. Diese Woche kam es auch
erneut zu einem Ansturm
auf die
Grenzzäune von Mellila. Drei größere Versuche wurden in
den letzten Wochen
registriert. Die Massenanstürme auf die von Marokko umschlossenen
spanischen
Exklaven Ceuta und Melilla hatten im vergangenen Jahr für
Schlagzeilen gesorgt, weil bei
der brutalen Abwehr etliche Schwarzafrikaner ums Leben kamen. Die
Umstände sind
bis heute nicht aufgeklärt, wie Amnesty
International kürzlich erneut die spanische Regierung kritisierte.
Marokko, der treueste Statthalter der EU-Abschottungspolitik in Afrika,
fährt
mit seiner menschenverachtenden Politik fort und setzt
weiterhin
aufgegriffene Schwarzafrikaner schlicht in der Wüste, zum Teil in
vermintem
Gelände, ab.
Trotz des langjährigen
Scheiterns der Abschottungsversuche, steht bei der EU die tödliche
Abwehr der
Menschen weiter im Zentrum der Migrationspolitik. So
beschloss der EU-Gipfel
Mitte Dezember in Brüssel, dass der Schutz der EU-Außengrenzen über ein
"ständiges Küstenpatrouillen-Netz an den südlichen Seegrenzen" weiter
verstärkt wird. Spanien bastelt mit EU-Hilfe sogar an einer teueren.
Auch mit Massenabschiebungen, die dieses Jahr deutlich verstärkt
wurden, lässt
sich niemand abschrecken. Allein Spanien hat in den letzten beiden
Jahren dafür
schon 45 Millionen Euro ausgegeben. Dazu kommen weitere 25
Millionen für die Verschiebungen der Menschen innerhalb Spaniens.
Für
die Abschottung und die
Ausweisungen ist scheinbar unbegrenzt Geld vorhanden. Dabei ist allen
klar,
dass diese Politik solange scheitern wird, solange die Heimatländer der
eigenen
Bevölkerung keine Zukunft bieten können und einige lokale Ökonomien von
den
Überweisungen derer abhängen, die den gefährlichen Weg überleben. Nur
der
Blutzoll wird immer höher, der zur Durchdringung der Abschirmungsnetze
bezahlt
werden muss.
Auf
dem Weg nach
Europa sterben Tausende
Ein
besonders dramatischer
Vorfall beleuchtet den Umgang mit Menschen
aus Afrika, die über das Mittelmeer in die Festung Europa gelangen
wollen. An
deren südlichen Meeresgrenzen mehren sich die Katastrophen und die
Toten. Das Fischerboot
Budafel aus Malta "rettete" am Mittwoch, 23.05.2007, 27 afrikanische
Schiffsbrüchige und zog
die an die Käfige des Thunfischnetzes geklammerten
Flüchtlinge drei Tage mit, ohne sie jedoch an Bord zu nehmen oder mit
Wasser zu
versorgen. Malta und Libyen, von wo die Flüchtlinge aus
Ghana, Nigeria und
Kamerun gestartet sind, weigerten sich, ihnen zu Hilfe zu kommen, und
stritten
um die Zuständigkeit. Nach drei Tagen wurden die Männer schließlich 60
Meilen
vor der libyschen Küste von der italienischen Marine aufgenommen und in
ein
Auffanglager auf die Insel Lampedusa verbracht.
Eigentlich wäre Libyen für die Rettung zuständig gewesen. Der
Kapitän der
Budafel rief die maltesischen Behörden an, nachdem er die Flüchtlinge
"gerettet" hat. Malta wandte sich an Libyen, da das Land für die
Rettung zuständig gewesen wäre. Libyen sagte zu, einen Hubschrauber zu
schicken
und den Flüchtlingen ein Rettungsboot abzuwerfen. Die maltesische
Regierung
lehnte dies aber ab und verlangte, dass Libyen die Flüchtlinge
aufnehmen müsse.
Irgendwann kam dann ein Fax, das eine Rettungsaktion ankündigte,
woraufhin aber
nichts geschah.
Glücklicherweise war die Orione der italienischen Marine
gerade in libyschen Gewässern,
um nach eritreischen Flüchtlingen zu suchen, die vermutlich
Schiffbruch erlitten hatten. Ein maltesisches Flugzeug hatte ein völlig
überladenes Boot mit 53 Flüchtlingen am Freitag fotografiert, die schon
verzweifelt versucht hatten, ihre Verwandten wegen Hilfe anzurufen.
UNHCR, das
Flüchtlingskomissariat der UN, hatte Malta und die Regierungen der
Region
daraufhin aufgefordert, den Menschen zur Hilfe zu kommen. Das
Boot
ist mitsamt den Menschen verschwunden. Die Orione konnte so schließlich
den im
Thunfischnetz hängenden Flüchtlingen zur Hilfe.
Diese berichteten, dass ihr Boot nach dem Ablegen von Al
Guwarah an der
libyschen Küste einige Tage fahruntüchtig auf dem Meer getrieben habe.
Zwei
Fischerboote hätten vergeblich versucht, sie zu retten, am Mittwoch
habe sie
dann der maltesische Schlepper zuerst an einem Seil mitgezogen, bis in
ihr Boot
Wasser eingedrungen ist. Die Flüchtlinge haben sich auf den schmalen
Laufgang
um das Netz gerettet, wo sie sich dann an die Käfige klammerten, in
denen die
Thunfische gezüchtet werden. An Bord ließ der Kapitän sie jedoch nicht.
Er habe
die Flüchtlinge nicht an Land bringen können, sagte er nach ihrer
Rettung durch
die italienische Marine am Samstagabend, weil er eine Thunfischfracht
im Wert
von einer Million Dollar mit sich führte. Die Fahrt nach Malta hätte
für seinen
Schlepper 12 Tage benötigt und dort wäre er in einen politischen
Konflikt
zwischen den maltesischen und libyschen Behörden geraten: "Ich konnte
es
nicht riskieren, die Fracht zu verlieren." Die vierköpfige Besatzung
erklärte auch, man habe helfen wollen, aber auch Angst gehabt, 27
Männer an
Bord zu nehmen. Diese hätten möglicherweise versuchen können, die
Kontrolle
über das Schiff zu erlangen.
Gerade schwelt schon die nächste Flüchtlingskrise. Ein
spanisches Fischerboot
hat am Samstag wieder vor der libyschen Küste und über 80 Meilen
südlich von
Malta 26 schiffsbrüchige Flüchtlinge gerettet. Die maltesische
Regierung hat bereits dem Kapitän mitgeteilt,
dass Malta die Flüchtlinge nicht aufnehmen und dass das maltesische
Militär das
spanische Boot weiter beobachten wird. Das Verwirrspiel war hier noch
komplizierter. Zunächst hieß es, dass ein italienisches Boot die
Flüchtlinge
aufnehmen werde. Dann meldeten sich die spanischen Behörden und
kündigten an,
dass das Fischerboot die Flüchtlinge nach Malta bringen werde, nachdem
das
italienische Boot nicht aufgetaucht war.
An diesem Wochenende hatte die maltesische Marine bereits 29
Flüchtlinge aus
Somalia in einem Boot kurz vor der Küste aufgegriffen und in ein
Auffanglager gebracht.
Kurz davor waren 25 afrikanische Migranten von der Polizei nach Malta
gebracht worden. Malta, das verpflichtet ist, Einwanderer aufzunehmen,
die
Asylanträge stellen, ist nach eigenen Angaben nicht in der Lage, mehr
Flüchtlinge aufzunehmen. Malta, so die Regierung, habe im Unterschied
etwa zu
Spanien kein Hinterland, um die Einwanderer aufzunehmen und wirft den
anderen EU-Ländern vor, die Belastung nicht gerecht aufzuteilen.
Gefordert wird
eine bessere Überwachung seitens der EU und der schnelle Einsatz der
europäischen Grenzschutzbehörde Frontex .
Allein in den letzten Tagen sollen vier Boote in der Nähe
Maltas verschwunden
sein. Man vermutet, dass sie mit 120 Flüchtlingen untergegangen sind.
Immer mehr Menschen versuchen auch von Westafrika auf die Kanarischen
Inseln zu
flüchten ( Flüchtlingselend als Tourismusattraktion?).
Man geht
davon auch, dass bei der Fahrt von Westafrika bereits Tausende
ertrunken sind (6000 Flüchtlinge starben vor den Kanarischen
Inseln). Letztes Jahr
erreichten über 30.000 Menschen die Kanarischen Inseln, während in
Italien über
3.000 illegalisierte Migranten angekommen sind.
Die UNHCR bezeichnet den Süden der EU, so der britische,
bereits als "Wilden Westen, wo menschliches Leben keinen
Wert mehr hat und die Menschen ihrem Schicksal überlassen werden".
Laura
Boldrini von UNHCR fordert, den Fischern müsse erlaubt werden, Menschen
zu
retten: "Jetzt müssen sie fürchten, dass sie tage- und wochenlang
hängen
bleiben, wenn sie helfen. Nach dem internationalen Meerrecht haben die
Regierung die Pflicht, Menschen schnell an Land gegen zu lassen, die
auf dem
Meer gerettet wurden. Wir sagen, dass wir Menschenleben zuerst retten
müssen."
Hier gelangen
Sie auf die Seite "Fluchtweg Mittelmeer"
von no-racism.net, wo sie über die aktuellen Gesehnisse informiert
werden.
Melilla:
der
dritte Zaun
26.
03. 2006
Nach
dem
"Sturm der Migranten auf Ceuta", 2005, verstärkt Spanien das
technologische Abschottungssystem der südlichen Festungsfront
Europas...
"zum Schutz der Migranten"
Die
spanische
Regierung präsentiert der dritten Grenzzaun, der den Süd-Übergang der
Festung
Europa bei Melilla/Marokko noch stärker abschotten wird. Nachdem es im
vergangenen Jahr dutzenden Migranten gelungen war, den Grenzzaun bei
Ceuta und
Melilla zu überwinden, wird nun mit der Installation intensivierter
Sicherheitsverstärkungen begonnen, die bis Juni diesen Jahres
fertiggestellt
sein sollen.
Mit
schon Ekel
erregendem Zynismus
heißt es dazu seitens der spanischen Verantwortlichen:
"Der dritte Zaun diene v.a. dazu, gefährliche Elemente zu entfernen, um
bei Migranten, die ev. dennoch versuchen werden, nach Europa
vorzudringen,
Verletzungen zu vermeiden." Vergessen scheint dabei, dass 2005 die
festgenommenen mehrheitlich Afrikaner ohne Wasser und Nahrung in der
marokkanischen Wüste ausgesetzt worden waren. Als stellte eine derartig
menschenrechtswidrige Behandlung keine direkte Verletzung der
physischen und
psychischen Unversehrtheit der Betroffenen dar.
Vergessen
scheinen
auch die richtungsweisenden Worte, wie etwa die Peter Struck´s (Anm.:
ehem. dt.
Verteidigungsminister) :"Vor dem Hintergrund des "Sturmes auf
Ceuta" und mit Blick auf weltweite militärische Operationen, gilt es
deutsche und europäische Operationen genauer zu definieren.
Massenfluchten
können relevant werden für die Stabilität Europas. Deshalb ist in Afrika
künftig ein stärkeres militärisches Engagement notwendig, um
auseinanderfallende Staaten zu stabilisieren und Massenfluchten zu
verhindern."
Im Militärjargon heißt das Containment und Vorfeldverteidigung, die
wenig mit
der Sorge um die Unverletzbarkeit der Migranten zu tun haben dürften.
DER
DRITTE
ZAUN
Der
sogenannte
dritte Zaun mit dessen Einbau bereits begonnen wurde, besteht aus
mehreren
Hightech-Komponenten, welche die Überwindung des Grenzwalls in
zeitlicher
Hinsicht erschweren und damit letztlich unmöglich machen sollen.
Der
Regierungsabgesandte in Melilla, José Fernández Chacón, präsentierte,
während
einer Grenzwallbaustelleninspektion, Journalisten den laufenden Ausbau
des
Zaunes, der ca. 20 Millionen Euro kosten wird. Es handelt sich um ein
weltweit
einzigartiges System, für das sich bereits die USA interessieren, um
ihr
Abschottungssystem an den Grenzübergängen nach Mexiko zu
perfektionieren. Der
Wall erstreckt sich über 10 km Länge des Grenzgebietes, von Aguadú bis
zu den
südlichen Dämmen. Im Juni soll die Installation fertig sein und im
August die
technologische Inbetriebnahme möglich werden. Ca. 1200 km Kabel werden
Cádiz
und Lérida "verbinden".
Unter
dem Vorwand
des "Schutzes der Migranten", sollen primär verletzende Elemente des
Grenzwalles entfernt werden, dazu, so im allgemeinen Tenor der
"Humanität" auch der Verantwortliche der entsprechenden
Installationsfirma, César Sayen, werden u.a. die Stacheldrahtspiralen
und
Bandeisen entfernt.
Der
dritte Zaun
neigt sich nun in einem Winkel von 10 Grad Richtung Marokko, um den
Migranten
"die Gefahr eines Absturzes
zu ersparen", bzw. um ihnen die
Ersteigung zu erschweren. Bei einer Belastung durch Personengewichte,
spannen
die Kabel sich automatisch und verhindern somit, dass jemand die Gänge
zwischen
den beiden ersten Zäunen durchqueren kann oder die Elemente erreichen,
die zur
Überwindung des dritten benutzt werden müssten. Auf diese Weise
entsteht ein
zeitlicher Spielraum, der es den staatlichen Sicherheitskräften
ermöglicht, in
der Zone zu intervenieren. Die Installationsfirma hat eigens in diesem
Sinne
Test mit Alpinisten vorgenommen, die das Sicherheitssystem getestet
haben: Die
Verletzungsgefahr sei zufriedenstellend und die Dauer zur Überwindung
der
Hindernisse betrage 15 Minuten.
Diese
Maßnahmen
werden ergänzt von einer Zeitalarmanlage die einsetzt, sobald jemand
sich im
nahen Umkreis außerhalb des Walls aufhält und von einer Druckanlage, die
Pfefferwasser versprüht, um den "Angreifenden" die Sicht zu nehmen;
"das ist nicht verletzend, aber erschwert den Migranten etwas die
Sicht", so die "Designer" dieser Abartigkeit. Wird die
äußere
Alarmanlage in Funktion gesetzt, entzünden sich zusätzlich alle 125
Meter
grelle Lichtpunkte, die Irritationen bewirken und bei Nacht zudem eine
totale
Verengung der Pupillen verursachen.
"Was
die
technologischen Systeme anbetrifft, so der Direktor des "Projektes",
Francisco Vázquez, werden Radaranlagen an sämtlichen Türmen des
Territoriums
installiert, die es der Guradia Civil ermöglichen, wahrzunehmen wenn
jemand
sich im Umkreis von 2 km dem Grenzwall vom Inneren Marokkos her nähert.
Das
System erlaubt es unter jeden klimatischen Bedingungen "zu arbeiten"
und beinhaltet mehrere Kameras, die sich sofort auf den jeweiligen
Bewegungspunkt richten. Dadurch kann sofort ausgemacht werden, ob es
sich um
eine Annäherung von Migranten, Fahrzeugen oder Tieren handelt."
Für den
Delegierten der Regierung ist das System eine "Arbeit von symbolischer
Tragweite", die den "klaren Kompromiss" der Exekutiven zur
Sicherheit und Unverletzlichkeit des Territoriums manifestiert.
Chacón
wiederholte, dass die marokkanische Armee, die Spanien zu dieser Arbeit
beglückwünschte, die Beobachtung in der Außenzone der Grenze
aufrechterhalten
wird und unterstrich, "dass es nichts gibt, was den Kompromiss zwischen
der marokkanischen und der spanischen Regierung in Zweifel stellen
würde".
Unbestreitbar
ist
es für das "Tourismusunternehmen spanischer Staat" von Vorteil, wenn
keine Nachrichten über verletzte "Grenzgänger" mehr erscheinen (es
genügen ja schon wirklich die zu Hunderten Ertrinkenden vor der
kanarischen
Küste). Innovativer ist es da schon, wenn Hunger, Krankheiten und
Massenverelendung
und das menschenunwürdige "Schicksal" tausender Migranten in den
Auffanglagern der Herkunftsländer nicht etwa als Verletzung von
Menschen in
europäischen Schlagzeilen Furore machen. " Wollen
wir das wirklich ??!!
Quelle: de.indymedia.org,
25.03.2006

Marokko:
Aufruf zum Protest
16. 01 2007
Seit dem 23. Dez.
2006 wurden mehrere hundert von der UNO anerkannter Flüchtlinge,
Asylbewerbern
und Immigranten aus der Subsahara mit Aufenthalt in Marokko, in Rabat
durch
Sicherheitskräfte festgenommen und in die algerische Grenzregion von
Oujda (der
offiziell geschlossenen Grenze zwischen Algerien und Marokko) gebracht
...,
etwa 400 Personen, inklusive Frauen und Kinder. Die meisten Papiere und
Dokumente dieser Personen sind durch die Ordnungskräfte konfisziert
oder
zerstört worden. Diese Operationen gingen einher mit Misshandlungen
seitens der
Polizei, besonders Schläge mit Knüppeln, dem Verursachen von Wunden und
Demütigungen. Auch schwangere Frauen und Mütter mit Kleinkindern wurden
Opfer
dieser brutalen Razzien. Die Zahl der Opfer beläuft sich auf zwischen
380 oder
400 Personen.
Als Nachrichten
der Betroffenen die Asociación Elin (span. Menschenrechtsorganisation)
erreichten, machte eine Gruppe der
Vereinigung sich am 26. Dez. auf den Weg nach Rabat um die Geschehnisse
zu
überprüfen und zu helfen. Nachdem sie dort mit der Hoffnungslosigkeit
der
Flüchtlinge konfrontiert wurde, beschloss die Gruppe direkt nach Oujda
zu
fahren. Dabei wurde sie vom Präsidenten der Flüchtlinge aus der
Elfenbeinküste
in Rabat begleitet, der die Situation bestens kannte und der außerdem
zuvor
selbst schon in der Wüste ausgesetzt worden war ...
BERICHT: "Auf dem Universitätsgelände von
Oujda trafen wir uns mit einer größeren
Gruppe (von Flüchtlingen/Migranten), deren Aussehen und Gesichter das
physische
und seelische Leid wiederspiegelten, das sie erlebt hatten. Die meisten
von
ihnen waren Kongolesen und von der Elfenbeinküste; aber es waren auch
Menschen
aus Nigeria und Mali darunter. Einige
kannten wir bereits von vorherigen
Deportationen, von denen sie uns erzählten und sie baten
uns, die Darlegung der
Verletzung ihrer Rechte und ihrer mit Füssen getretenen Menschenwürde
an
kompetente Organismen weiterzuleiten."
Massenabschiebungen
aus Marokko:
Aussagen Deportierter ...
...
die vor allem
auch einen Einblick in die Konsequenzen auf das alltägliche Leben und
Überleben
und den seelischen Druck der Betroffenen geben.
DAS
SIND IHRE
WORTE: "Sie
verhafteten uns in aller Frühe in unseren Häusern. Sie
brachten uns auf das Kommissariat und später wurden wir in Bussen quer
durch
ganz Marokko transportiert, länger als 12 Stunden. Auf algerischem
Territorium
setzten sie uns gruppenweise aus, - immer ein Dutzend an verschiedenen
Orten - und
ließen uns allein. Die Gruppen waren mehrere Kilometer voneinander
getrennt,
entlang der marokkanisch-algerischen Grenze, nicht weit von Oujda
entfernt. Mit
Drohungen durch Schüsse in die Luft zwangen uns die marokkanischen
Kräfte in
Richtung Algerien zu gehen. Später wurden wir dann von den algerischen
Kräften
genauso zurückgewiesen, die ebenfalls mit Gewehren in die Luft
schossen. Nach
mehr als 10 Stunden hin und her zwischen den beiden Armeen, gelang es
der
Mehrheit von uns in die Außenbezirke von Oujda, in einen Wald in der
Nähe des
Uni-Geländes, zurückzugelangen. Viele kamen in einem bedauernswerten
Zustand
hier an: Es gab Verletzte durch das die ganze Nacht lang Umherirren
ohne
adäquate Kleidung. Die Leute konnten sich mit nichts schützen und
rannten,
verschreckt von den Schüssen der marokkanischen Armee und den
Einschüchterungen
der algerischen, quasi blind um ihr Leben. In diesem Chaos gingen manche
verloren und einige der Frauen wurden vergewaltigt, darunter zwei
Schwangere.
Seit
wir zurück
sind, schlafen wir im Freien (die Nächte in Oujda sind kalt); nur die
Verletzlichsten, wie Frauen und Kinder, können sich unter Dächern
verstecken
und sich vor den Polizeikontrollen und der Kälte schützen. Wir sind
seit fünf
Tagen hier und die Polizei weigert sich, uns nach Rabat zurückzulassen,
wo wir
ein paar Freunde haben die uns helfen können, denn wir haben jetzt
überhaupt
nichts mehr. Langsam breiten sich Mut,- und Hilflosigkeit unter uns aus
und die
Krankheiten aufgrund des Leidens, der Unsicherheit und fehlender
Medikamente
mehren sich, da wir alle sehr schwach und erschöpft sind."
DIE ASSOZIATION
ELIN: "Sie
erzählten uns, dass drei Frauen vergewaltigt worden
waren; darunter eine junge Kongolesin, die im fünften Monat schwanger
war und
die deshalb zusätzlich eine Fehlgeburt erlitten hat. Seit sie
notärztlich in
ein Hospital eingeliefert wurde, spricht sie nicht mehr und durch den
Schock
ist ihr Allgemeinzustand besorgniserregend. Dies zeigt einmal mehr,
dass es die
Frauen sind, die die Repression und Diskriminierung am härtesten
erfahren.
Ärzte ohne Grenzen und einige andere humanitäre Organisationen ließen
ihnen ein
paar Medikamente, Plastikfolien, Decken und Lebensmittel zukommen, die
aber
nicht ausreichend sind. Am dramatischsten aber ist die Unsicherheit in
der
diese Menschen zu leben gezwungen sind, denn eine neue Deportation in
die Wüste
kann sich jeden Moment wiederholen.
"Am Samstag
dem 23. (Dez. 2006) um 07:00 Uhr morgens kam die marokkanische Armee zu
uns
nach Hause, als wir noch schliefen. Sie hatten an die Tür geschlagen
und wir
öffneten. Wir bewohnten zwei Stockwerke; in unserer Wohnung waren vier
Personen, zwei Männer, noch eine Frau und ich. Sie drangen gewaltsam
ein und
sagten: "Abfahrt, nehmt Eure Sachen und auf, los... Ich zeigte ihnen
das
Papier von ACNUR und sie zerrissen es. Unter Gewaltanwendung brachten
sie uns
zum Deportationszentrum im Stadtteil Aynnada 1. Dort standen sechs
Busse. Wir
fuhren direkt nach Oujda, ohne Vernehmung, ohne irgendetwas. Sie hatten
mir das
Telefon abgenommen. Um 18:30 kamen wir in Oujda an. Die Busse fuhren,
immer
zwei, in die Stadt ein und parkten dann irgendwo. Marokkanische
Reporter kamen
hinein und filmten. Wir waren im ersten der beiden Busse; sie hatten
uns in
Dreiergruppen getrennt; es war bereits Nacht... Es hatte bewaffnete
Militärs.
Sie stießen uns, damit wir nach Algerien gingen und folgten uns. Sie
stießen
uns mit Gewalt und trieben uns so vorwärts...
Die algerischen
Militärs taten uns nichts; sie zwangen uns lediglich nach Marokko zu
gehen. Wir
marschierten los, um Oujda zu finden. Ich hatte die beiden Männer
verloren, mit
denen ich die Nacht lang zusammen gelaufen war. Ich lief ohne zu
wissen, wo ich
war, als ich drei Männer sah; es waren Marokkaner. Sie schnappten mich,
zogen
mir gewaltsam die Hosen aus uns alle drei, einer nach dem andern,
vergewaltigten mich. Ich schrie, aber es war nirgends jemand und sie
sagten,
wenn ich nicht zu schreien aufhörte, würden sie mich töten. Sie hatten
Messer
und Macheten.
Schließlich ließen
sie von mir ab und ich lief weiter. Um 2 Uhr morgens fand ich eine
andere
Gruppe, ebenfalls aus dem Kongo, die mich aufnahm und gegen 4 Uhr
fanden wir
dann den Weg. Ich hatte Asthmaanfälle und sie trugen mich; sie sagten
dass ich
Mut fassen soll und dass wir ankommen werden. Um 5 Uhr nahmen wir ein
Taxi zur
Fakultät. Als wir ankamen war Ärzte ohne Grenzen da, um die Frauen zu
übernehmen. Sie haben uns behandelt und ich sagte ihnen, dass wir
vergewaltigt
worden waren; also machten sie einen Blut,- und Urintest. Bei mir
nahmen sie
kein Blut ab, weil sie keine Vene fanden. Ich war sehr schwach. Dann
sind wir
in die Kirche gegangen, um dort zu schlafen."
"Sie haben
mich um 06:00 aus dem Haus gebracht; ich habe keinen festen
Schlafplatz, aber
jetzt bin ich mit drei anderen zusammen. Wir waren zu viert im Haus;
ich als
einziger Minderjähriger. Sie schlugen die Tür ein, fügten uns Schaden
zu und
schlugen uns. Ich gab ihnen meine Papiere; aber sie fingen an, die
Scheiben
einzuschlagen. Wir wurden zum Komissariat und von dort direkt zur
Grenze
gebracht, ohne dass unsere Papiere überprüft wurden. Es war sehr kalt
dort; ich
hatte alles verloren, was ich besessen hatte; sie hatten uns im Pyjama
und ohne
Schuhe herausgetrieben. Die algerischen Militärs nahmen mich fest. Ich
zeigte
ihnen meine Papiere und sie sagten, wenn ich Asylbewerber sei, müsse
ich nach
Marokko zurückgehen. Davor aber schossen sie in die Luft. Dann wurde
ich erneut
von den marokkanischen Soldaten verhaftet, die mich zu einem Wachposten
brachten;
dort schlief ich auf dem Boden, halbtot vor Kälte... Ich konnte fliehen
und
lief zu Fuss nach Oujda. Ich bin viele Kilometer gelaufen, bis ich
Oujda
wiederfand."
Es war um 00:04
Uhr morgens, als die Polizei an die Tür klopfte und sagte, dass wir zur
Bestätigung
unserer Papiere auf´s Komissariat gebracht würden. Wir waren acht
Personen im
Haus, Flüchtlinge und AsylweberInnen. Als wir aber auf dem Komissariat
von
Aynnada angekommen waren, wollte niemand
etwas von unseren Papieren wissen
und sie setzten uns stattdessen in einen Bus Richtung Oujda, bzw.
dirket an die
Grenze. Sie hatten uns getrennt und nutzen die Nacht, um uns in die
Wüste zu
bringen. Wir waren 24 Personen, die sich auf den Weg zurück machten;
wir liefen
zusammen mit den Maliern und Nigerianern. Wir kamen in eine kleine
Stadt und
nahmen den Zug nach Rabbat. Ich informierte ACNUR (spanische Büro der UNHCR-Flüchtlingsorganisation)
und sie sagten uns, dass sie
eine Lösung suchen würden, dass es aber im Moment keine gibt. Unser
Vermieter
wurde von der Polizei festgenommen und beschuldigt, illegale Mieter
unterstützt
zu haben. Er ist zu einer Geldstrafe von 2000 Dirhams verurteilt
worden."
"Am
23. Dez. 06 erlitt ich meine zweite Deportation. Die Polizei drang bei
mir zu
Hause ein, wo ich mich zusammen mit meinem Mann und meiner kleiner
Tochter befand.
Sie traumatisierten mich derart, dass ich auf dem Komissariat in Agnada einen Nervenzusammenbruch
bekam. Ich verlor
das Bewusstsein und begann krampfartig zu zittern. Die Polizei sah sich
gezwungen mich ins Hospital Avicene zu bringen, wo ich einen Tag lang
wiederbelebt wurde. Ich bin noch nicht beim ACNUR gewesen, um eine
Erklärung
über die Vorgänge zu machen, aber die Organisation weiß darüber
Bescheid, dass
meine Gesundheit und meine persönliche Situation sehr gefährdet sind.
Überdies
haben wir nun das Problem, dass der Vermieter nach diesen
Geschehnissen, uns
nicht wieder im Haus aufnehmen will. Das Leben in Marokko ist sehr
diskriminierend. Manchmal werden Flüchtlinge, die eine Arbeit gefunden
haben,
von ihren Arbeitgebern geschlagen, weil sie genau wissen, dass diese
nirgendwo
ihre Rechte beanspruchen können. Der ACNUR kann sich nicht in das
Arbeitsleben
einmischen. Außerdem verweigern die marokkanischen Hospitäler
Flüchtlingen die
Behandlung, wohlwissend, dass deren Ehre und Würde in den
Deportationszellen
verletzt worden ist."
DIE ASSOZIATION
ELIN: Wir
trafen uns
außerdem mit einer Gruppe von Frauen mit Kindern, die in einer Kirche
von Ouja
untergekommen waren und die mitsamt ihren, kaum einjährigen
Kleinkindern in der
Wüste ausgesetzt worden waren. Diese Kinder und ihre Mütter sind das
eindringlichste Zeugnis für die Grausamkeit und Ungerechtigkeit dieser
Gesellschaft, in der wir leben und die fähig ist, unterschiedlos zu
foltern und
zu töten, um ihren Status von Wohlstand und Konsum aufrechtzuhalten." Die Asociación
Elin fordert alle Organisationen, Assoziationen, Gruppen und
Einzelpersonen
auf, dieses Dokument (d.h. die folgenden Forderungen) zu unterzeichnen
und an
kompetente Organismen zu verteilen. Mehr
.....
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